Zitatesammlung

Und eigentlich müsste man auch die Welt ändern – protestieren, spenden, in Pateien gehen. Eigentlich mache ich davon dann trotzdem nichts. Zu verstehen ist das nicht, oder? Doch, würden Soziologen sagen. Ich bin Teil einer Genration, die sie „pragmatisch“ nennen. Sie urteilen: „Während es vor allem in den 1970er und 1980er Jahren noch zum guten Ton gehörte, als junger Mensch politisch interessiert… zu sein, so kippte diese Haltung spätestens bis Mitte der 90er Jahre“ und habe sich bis heute zu einer „bemerkenswerten Politik-Abstinenz“ ausgewachsen. Drei Viertel der jungen Deutschen waren in den letzten fünf Jahren auf keiner Demonstration. 71 Prozent sagen, es sei „out“ sich politisch einzumischen. Nur 16 Prozent sind Mitglied einer politischen Organisation. Und das, obwohl die allermeisten es für absolut notwendig halten, dass sich etwas ändert. Weit über die Hälfte der Jungen glauben, die Zukunft der Gesellschaft sehe „düster“ aus. Den Klimawandel zum Beispiel halten über drei Viertel für ein „relevantes Problem“, zwei Drittel fürchten sogar, dass dieser die „Existenz der Menschheit“ bedrohe. Aber sie tun fast nichts, um etwas daran zu ändern. Nur neun Prozent der Jungen engagieren sich in Projekten für den Klimaschutz, nur sieben Prozent haben zumindest schon einmal Geld gespendet, damit andere diese Aufgabe erfüllen können. […] Die Jungen, schreibt der Spiegel, „lieben nicht die Utopien, sondern das Machbare. Sie haben keinen Entwurf von der Welt, wie sie sein sollte. Sie nehmen sie so hin, wie sie ist.“ Timm Klotzek, der erst das Jugendmagazin Jetzt entwickelte, dann die Zeitschrift Neon, meint im selben Bericht, eine Beschreibung der jungen Generation könne nur langweilig klingen. Dann zählt er auf: Seine Leser seien pragmatisch, nicht organisiert, visionslos, leidensfähig, unideologisch. Ihre große Frage sei eben: „Was wird aus mir?“ Und eben nicht: „Was wird aus der Welt?“. [Jilia Friedrichs: Ideale – Auf der Suche nach dem, was zählt]

Schopenhauer glaubte, dass Kunst, insbesondere Musik, die Macht hat, den Willen, den irrationalen, kämpfenden Willen, dazu zu bringen, auf und in sich selbst zurückzukehren und den Kampf einzustellen. Er hielt die für eine religiöse Erfahrung, wenn auch für eine zeitlich begrenzte. Irgendwie besitzt Kunst, aus bestimmten Gründen vor allem die Musik, die Macht, den Menschen aus einem irrationalen Etwas in ein rationales Wesen zu verwandeln, das nicht nur von biologischen Impulsen angetrieben wird, von Trieben, die per Definition niemals befriedigt werden können. [Philip K. Dick: Die Wiedergeburt des Timothy Archer]

Wieso gruppieren sich große Teile einer ganzen Generation hinter dem Leitwert Leistung? Eigentlich ist Leistung doch kein Wert, sondern eher ein Mittel zum Zweck. Man kann viel leisten, um etwas zu tun, das anderen nützt. Man kann aber auch ranklotzen, um Dinge auszuführen, die den allermeisten Menschen schaden. Wie kann man vor allem stolz darauf sein, schnell zu rennen? Es wäre doch viel wichtiger, zu wissen wohin. [Jilia Friedrichs: Ideale – Auf der Suche nach dem, was zählt]

„Es ist sehr leicht, einem Computer unabsichtlich eine Frage zu stellen, die er nicht beantworten kann – nicht weil er dumm ist, sondern weil sie auf diese Frage einfach keine Antwort gibt.“ „Ich verstehe.“ „Nimm folgendes Beispiel und sag mir, ob es Sinn gibt: Nenn mir die höchste Zahl unter zwei.“ [Philip K. Dick: Die Wiedergeburt des Timothy Archer]

„Kann er einen Menschen erschaffen, der so einfältig ist, dass er glaubt, nichts würde existieren? Denn wenn nichts existiert, was bedeutet dann das Wort nichts? Wie definiert sich das eine Nichts, das existiert im Vergleich zu einem anderen Nichts, das nicht existiert?“ […] „Was existiert“, erklärte David, „ist Gott und der Wille Gottes.“ „Ich hoffe, dass er mich in seinem Willen bedacht hat“, spottete Kevin. „Und ich hoffe, er hat mir mehr als einen Dollar hinterlassen.“ [Philip K. Dick – Valis]

„Kevin ist total verkorkst. Er wird am Jüngsten Tag seine gottverdammte tote Katze aus seinem Mantel wickeln, und man wird ihn auslachen, so wie er uns auslacht. Das ist es, was er verdient hat: ein Richter, der genauso ist wie er.“ „Das ist keine schlechte theologische Idee“, bemerkte ich. „Man steht sich selbst gegenüber.“ [Philip K. Dick – Valis]

„Was könnte man nicht alles machen, wenn man sich mal die Mühe machen würde? Wenn man sich mal die Mühe machen würde, wäre praktisch alles möglich. Da gibt es keine Grenzen, da wachsen die Bäume in den Himmel. Dem, der sich mal die Mühe macht, gehört die Welt.“ [Horst Evers: Für Eile fehlt mir die Zeit]

„Hätte Kolumbus seinerseits den Seeweg nach Indien gegoogelt, wäre Amerika womöglich nie entdeckt worden. Was hätte das für die weitere Entwicklung der Welt bedeutet? Und speziell, wer hätte dann überhaupt Google erfunden?“ [Horst Evers: Für Eile fehlt mir die Zeit]

„Wenn Google Handtaschen aus der Schweiz für den Sinn des Lebens hält, dann frag ich die doch nicht mehr nach einem Pfannenkuchenrezept. Da ist doch das Vertrauensverhältnis nachhaltig gestört.“ [Horst Evers: Für Eile fehlt mir die Zeit]

Tomas fuhr fort: „Ich habe gläubige Menschen immer bewundert. Ich habe gedacht, daß sie eine besondere Gabe übersinnlicher Wahrnehmung besitzen, die mir versagt ist. Etwa wie Hellseher. Nun sehe ich aber am Beispiel meines Sohnes, dass Glauben im Grunde genommen etwas sehr Leichtes ist. Als er in Schwierigkeiten war, haben sich die Katholiken seiner angenommen, und auf einmal war der Glaube da. Vielleicht hat er beschlossen, aus Dankbarkeit zu glauben. Menschliche Entscheidungen sind schrecklich einfach.“ [Milan Kundera: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins -Seite 295]

Er sagte sich, die Grundfrage laute nicht: Haben sie es so gewußt oder nicht?, sondern: Ist der Mensch unschuldig, weil er unwissend ist? Ist ein Dummkopf auf dem Thron von aller Verantwortung freigesprochen, nur weil er ein Dummkopf ist? [Milan Kundera: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins – Seite 168]

Ist das Leben lebenswert? Wenn es keinen Gott gibt, aus welchem Grund sind wir dann da? Welche Grundlagen haben unsere Wertvorstellungen, unsere Moral, unsere Vernunft, unsere Würde und Persönlichkeitsmerkmale? Wenn es keinen Gott gibt, sind wir – nach den Worten des Philosophen William James – wie Hunde in einer Bibliothek, die an den Büchern schnuppern, sie aber nicht lesen können. Sind wir ein zufälliges Nebenprodukt der Materie, das sich geistlos auf einem verschwindend kleinen Staubkörnchen namens Planet Erde entwickelt hat? Welchen Sinn gibt es in einem sinnleeren Universum? Welche Vernunft in einer vernunftlosen Welt? Woher kommen Werte in einem rein materiellen Universum und Sinn in einer zufälligen Existenz? Wenn es keinen Gott gibt, sollten wir dann nicht mit Shakespeare zu dem Schluss kommen, dass das „Leben wie ein Märchen ist, das ein Irrer erzählt, voller Geräusche und Raserei, aber ohne jeden Sinn?“ [Steve Kumar: Wenn es Gott gibt… Warum Christen glauben, was sie glauben; Seite 7]

Historisch betrachtet nimmt man an, das Wort Übel leitet sich von dem lateinischen negatio ab. Das Übel wird durch negative Begriffe definiert, wie ungöttlich, ungerecht/sündig, unglücklich usw. Um zu erkennen, was ungöttlich ist, müssen wir „göttlich“ verstehen. Nach C.S. Lewis ist „das Gute … sozusagen es selbst“. Das Böse ist nur das verdorbene Gute. Und es muss zuerst etwas Gutes geben, ehe es verdorben werden kann. Weiter meint Lewis, „dass das Böse ein Schmarotzer, nicht etwas Ursprüngliches ist“. Das Böse hat nur Bedeutung im Bezug zu dem Guten; es ist nicht notwendig und abhängig, ein Nicht-Vorhandensein von Gutem,; kein positives Merkmal, sondern ein negatives. Übel ist nichts Seiendes, sondern ein Parasit des Seienden. Übel ist also eine schlechte Beziehung zwischen guten Dingen. Norman L. Geisler bringt ein bedeutendes Argument an: „Dunkelheit ist nicht nichts; sie ist die Abwesenheit von Licht. Dementsprechend ist Krankheit die Abwesenheit von Gesundheit und Tod ist die Abwesenheit von Leben, das zu einem Seienden gehört. All dies sind wirkliche Mängel. Entsprechend ist das Übel wirklich, obwohl es nicht mehr eigenes Sein hat als Dunkelheit oder Krankheit.“ Gott schuf den Menschen mit der Möglichkeit und der Fähigkeit, zwischen Gut und Böse zu wählen. Er schuf die Möglichkeit des Bösen, aber nicht seine Realität. [Steve Kumar: Wenn es Gott gibt… Warum Christen glauben, was sie glauben; Seite 55]

Die sieben starken Argumente des Atheismus:
1.    Die Existenz Gottes ist unvereinbar mit der Existenz des Bösen (Mackie).
2.    Gott ist eine Projektion der Fantasie des Menschen (Feuerbach).
3.    Da Gott nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden kann, kann Gott nicht existieren (Flew).
4.    Menschen glauben an Gott, weil sie kulturell konditioniert sind (Freud).
5.    Die Vorstellung von Gott ist genauso unsinnig wie die Vorstellung von quadratischen Kreisen (Matson).
6.    Wenn Gott die Welt erschaffen hat, wer hat dann Gott erschaffen? (Russel).
7.    Da es keinen Beweis für die Existenz Gottes gibt, existiert Gott nicht (Kaufmann).
[Steve Kumar: Wenn es Gott gibt… Warum Christen glauben, was sie glauben; Seite 73]

Wenn ich jetzt sterben müßte, würde ich sagen: „Das war alles?“ Und: „Ich habe es nicht so richtig verstanden.“ Und: „Es war ein bißchen laut.“ [Kurt Tucholsky]

„Ich weigere mich, mich länger von der Realität einschüchtern zu lassen. Die Realität – was ist das. Ein kollektives Gefühl – weiter nichts.“ [Lily Tomlin]

>Realität ist das, was nicht verschwindet, wenn man aufhört, daran zu glauben.< [Philip K. Dick – Die Valis-Trilogie]

„Ich sollte mich selbst bezwingen?
Das brächte mir auch Gewinn?
Wer ist denn der Besiegte,
Wenn ich der Sieger bin?“ [Elisabeth Amalie Eugenie]

„Der Geist ist ein ganz eigener Ort, er kann aus der Hölle einen Himmel oder aus dem Himmel eine Hölle machen.“  [John Milton]

„Ich würde am liebsten Ihren Kopf unter Wasser drücken, bis Sie um Ihr Leben kämpfen. Und wenn Sie nicht kämpfen sollten, dann zum Teufel mit Ihnen“ [Philip K. Dick – Die Valis-Trilogie]

„Wie soll ich dir erklären, wie er ist? Wenn du sehen müsstest, wie eine Katze einen jungen Vogel frisst, würdest du wahrscheinlich weinen, nicht wahr? Oder versuchen ihm zu helfen. Capricorn würde den Vogel an die Katze verfüttern, nur um zu sehen, wie sie ihn mit ihren Krallen zerreißt, und das Schreien und Zappeln des kleinen Dings würde ihm schmecken wie Honig.“ [Cornelia Funke: Tintenherz]

Nicht alle von uns eignen sich zum Schlächter, aber fast alle zum Soldaten, der an der Kanone steht, auf die Uhr schaut und die Leine abzieht. Es ist sonderbar, daß die räumliche Entfernung, die man in Metern messen kann, eine solche Bedeutung haben soll; daß unsere Vorstellung nicht stärker ist. Vielleicht ist sie es für Augenblicke, aber nicht auf Dauer. Daß wir die Menschen, die wir nicht mit dem Auge und dem Gehör und den anderen sinnlichen Antennen erfassen, bald nicht mehr ernstnehmen können, zeigt sich ja auch sonst; das bekannte Erlöschen unsrer Briefwechsel, wenn eine Wiederbegegnung unwahrscheinlich wird; eine Weile zwingt uns noch der Anstand, der Stolz, der Wille zur Würde, die Hehre Meinung, daß wenigstens unser Geist und unser Herz keiner räumlichen Schranke unterworfen seien. Es stimmt mindestens nicht für das Herz. Natürlich reicht es über unsere Sinne hinaus, aber nicht unbeschränkt; es reicht nicht um die Erde; wir sprechen von Zeiten des Friedens, wenn der Krieg in China ist. Es ist ganz offenbar, daß das menschliche Erleben, auch wenn wir uns außermenschliche Leistungen entlehnen können, mehr oder minder an den Bereich gebunden bleibt, den wir mit eignen Kräften bewältigen können. [Max Frisch – Nach einem Flug]

Es gibt viele Arten zu töten. Man kann einem ein Messer in den Bauch stechen, einem das Brot entziehen, einen von einer Krankheit nicht heilen, einen in eine schlechte Wohnung stecken, einen durch Arbeit zu Tode schinden, einen zum Selbstmord treiben, einen in den Krieg führen usw. Nur weniges davon ist in unserem Staate verboten. [Bertolt Brecht – Viele Arten zu töten]

Revolution, Aufregung, Klassenkampf, Menschheitsaufwallung und starke Herzen! Damals habe es vielleicht noch genügt, einen heißen Kopf und ein starkes Herz zu haben, heute müsse man Bescheid wissen, Fachmann sein, um Arbeitslosigkeit und Inflationen zu verhindern! Er konnte nicht einmal den Börsenbericht in der Zeitung lesen. Zwischen dem Bericht „Die Zahlungsbilanz steht auf solidem Fundament“ und seinem Wunsch, daß es allen Menschen gleich gut gehen möge, klaffte ein Abgrund, über den es keine Brücke gab. Also mußte er es denen überlassen, für das Wohl der Menschen zu sorgen, die auf der internationalen Weizenkonferenz mitreden konnten, die über die Konvertierbarkeit einzelner Währungen unterrichtet waren, denen, die das Sozialprodukt errechneten und nach ihrem Gutdünken Genuß und Mühsal zuteilen. Rousseau, käme er heute zur Welt, müßte schon Verfassungsjurist oder Bankfachmann sein, wollte er es wagen seine Bücher noch einmal zu schreiben; aber wahrscheinlich werden diese Bücher heute nicht mehr geschrieben, weil die Rousseaus dieses Jahrhunderts Fachleute sind. Und ein Fachmann ist ein Mensch, der seiner Phantasie nur Vorstellungen erlaubt, die sein Verstand in Wirklichkeit verwandeln kann.  [Martin Walser]

Mozziconi war unentschlossen, ob er fluchen wollte oder die Sterne zählen. Er hatte aber bemerkt, daß man beim Fluchen nach und nach immer zorniger wird und dann überhaupt nicht mehr schlafen kann. Dasselbe war ihm auch schon beim Weinen passiert. Er hatte einmal, nur so zum Spaß zu weinen angefangen, und am Ende war er richtig traurig gewesen. Deshalb entschloß er sich, die Sterne zu zählen. [Luigi Malerba: Mozziconi und die Sterne]

Das kleinste Glück, wenn es nur ununterbrochen da ist und glücklich macht, ist ohne Vergleich mehr Glück als das größte, das nur als Episode, gleichsam als Laune, als toller Einfall, zwischen lauter Unlust, Begierde und Entbehrung kommt. Bei dem kleinsten aber und bei dem größten Glücke ist es immer nur eins, wodurch Glück zum Glücke wird: das Vergessenkönnen oder, gelehrter ausgedrückt, das Vermögen, während seiner Dauer unhistorisch zu empfinden. Wer sich nicht auf der Schwelle des Augenblicks, alle Vergangenheiten vergessend, niederlassen kann, wer nicht auf einem Punkte wie eine Siegesgöttin ohne Schwindel und Furcht zu stehen vermag, der wird nie wissen, was Glück ist, und noch schlimmer: er wird nie etwas tun, was andre glücklich macht. [Friedrich Nietzsche: Unzeitgemäße Betrachtungen]

Das Unglück allein ist noch nicht das ganze Unglück; Frage ist noch, wie man es besteht. Erst wenn man es schlecht besteht, wird es das ganze Unglück. Das Glück allein ist noch nicht das ganze Glück. [Ludwig Hohl]
Das Glück ist kein guter Stoff für Dichter. Es ist zu selbstgenügsam. Es braucht keinen Kommentar. [Robert Walser]

Man ist über sich selbst entweder mit Scham oder mit Eitelkeit ehrlich. [Friedrich Nietzsche]

Mein Unsterblichkeitsgefühl: ich werde nicht unsterblich sein, ich war ab und zu unsterblich. [Peter Handke]

Schüchternheit die einzige plage meiner sonst so fröhlichen Jugend. Sie hat mich nicht nur verhindert ein großer Mensch zu sein, sondern auch ihn zu spielen, geschweige denn zu werden. [Franz Overbeck]

Remembering that I’ll be dead soon is the most important tool I’ve ever encountered to help me make the big choices in life. Because almost everything – all external expectations, all pride, all fear of embarrassment or failure – these things just fall away in the face of death, leaving only what is truly important. Remembering that you are going to die is the best way I know to avoid the trap of thinking you have something to lose. You are already naked. There is no reason not to follow your heart. [Steve Jobs]

Niemand ist berechtigt, sich mir gegenüber so zu benehmen, als kennte er mich. [Robert Walser]

Eine häßliche geistreiche Frau ist oft böse, aus Kummer nicht schön zu sein, wenn sie sieht, daß Schönheit alles aufwiegt. [Vauvenargues]

Wenn der Mensch keine Söhne hat, so hat er kein volles Recht über die Bedürfnisse eines einzelnen Saatswesens mitzureden. Man muß selber mit den anderen sein Liebstes daran gewagt haben: das erst bindet an den Staat fest; man muß das Glück seiner Nachkommen ins Auge fassen, also vor allem Nachkommen haben, um an allen Institutionen und deren Veränderung rechten, natürlichen Anteil zu nehmen. Die Entwicklung der höheren Moral hängt daran, daß einer Söhne hat; dies stimmt in unegoistisch, oder richtiger: Er erweitert seinen Egoismus der Zeitdauer nach und läßt ihn Ziele über seine individuelle Lebenslänge hinaus mit Ernst verfolgen. [Nietzsche]

Methode ist unerläßlich zum Wissen und zum Leben. [Gracián]

Es hat noch niemand etwas Ordentliches geleistet, der nicht etwas Außerordentliches leisten wollte. [Marie von Ebner-Eschenbach]

Das Gefühl, nicht die Achtung eines Menschen erwerben zu können, treibt leicht dazu, ihn zu hassen. [Vauvenargues]

Niemand ist so beflissen, immer neue Eindrücke zu sammeln, als derjenige, der die alten nicht zu verarbeiten versteht. [Marie von Ebner-Eschenbach]

Körperliche Arbeit befreit von der Anstrengung des Geistes; darin liegt das Glück der Armen. [La Rochefoucauld]

Manche schlechte Eigenschaften erzeugen große Talente. [La Rochefoucauld]

Das Elend des Menschen liegt darin, daß er in der Gesellschaft Trost suchen muß gegen die Leiden, die die Natur im zugefügt, und in der Natur Trost gegen die Leiden der Gesellschaft. Wie viele haben weder hier noch dort eine Erleichterung ihrer Schmerzen gefunden! [Chamfort]

Eine langweilige Krankheit, sich die Gesundheit nur durch eine allzu strenge Lebensweise zu erhalten. [La Rochefoucauld]

Die Reue treibt den Schwachen zur Verzweiflung und macht den Starken zum Heiligen. [Marie von Ebner-Eschenbach]

Wir plagen uns weniger, glücklich zu werden als glauben zu machen, daß wir es seien. [La Rochefoucauld]

Die stillstehende Uhr, die täglich zweimal die richtige Zeit angezeigt hat, blickt nach Jahren auf eine lange Reihe von Erfolgen zurück. [Maria von Ebner-Eschenbach]

Kein Mensch ist klug genug, um all das Böse zu kennen, das er tut. [La Rochefoucauld]

Der Wunsch klug zu erscheinen, verhindert oft, es zu werden. [La Rochefoucauld]

Lachen heißt: schadenfroh sein, aber mit gutem Gewissen. [Nietzsche]

Selten ist ein Unglück ausweglos; die Verzweiflung ist trügerischer als die Hoffnung. [Vauvenargues]

Etwas zu wünschen übrig zu haben, um nicht vor lauter Glück unglücklich zu sein. [Gracián]

Wer etwas erzählt, läßt leicht merken, ob er erzählt, weil ihn das Faktum interessiert, oder weil er durch die Erzählung interessieren will. Im letzteren Falle wird er übertreiben, Superlative gebrauchen und ähnliches tun. Er erzählt dann gewöhnlich schlechter, weil er nicht so sehr an die Sache als an sich denkt. [Nietzsche]

Ein Buch ist ein Spiegel, wenn ein Affe hineinsieht, so kann kein Apostel heraus gucken. [Lichtenberg]

Die Philosophen sind eher Anatomen als Ärzte; sie zerlegen und heilen nicht. [Rivarol]

Es ist kein großer Vorteil, einen lebhaften Geist zu besitzen, der nicht auch urteilsscharf ist; die Vollkommenheit einer Uhr besteht nicht darin, schnell, sondern richtig zu gehen. [Vauvenargues]

Die Natur hat Vollkommenheiten, um zu zeigen, daß sie Bild Gottes ist, und Fehler, um zu zeigen, daß sie nur sein Bild ist. [Pascal]

Gott zeigt sich denen gnädig, denen er das Leben stückweise entzieht; das ist der einzige Segen des Alters. Der letzte  Tod wird um so weniger schwer und peinvoll sein: Er wird nur noch einen halben oder Viertelmenschen töten. [Michel de Montaigne]

Diese Neigung in den Jahren,
da wir alle Kinder waren,
viel allein zu sein, war mild;
andern ging die Zeit im Streite,
und man hatte seine Seite,
seine Nähe, seine Weite,
einen Weg, ein Tier, ein Bild.
Und ich dachte noch, das Leben
hört niemals auf zu geben,
daß man sich in sich besinnd.
Bin ich in mir nicht im Größten?
Will mich meines nicht mehr trösten
und verstehen wie als Kind
Plötzlich bin ich wie verstoßen,
und zu einem Übergroßen
wird mir diese Einsamkeit,
wenn auf meiner Brüste Hügeln
stehend, mein Gefühl nach Flügeln
oder einem Ende schreit.
[R.M. Rilke: Mädchenklage]

Du mußt das Leben nicht verstehen,
dann wird es werden wie ein Fest.
Und laß dir jeden Tag geschehen
so wie ein Kind im Weitergehen
von jedem Wehen
sich viele Blüten schenken läßt.
Sie aufzusammeln und zu sparen,
das kommt dem Kind nicht in den Sinn.
Es löst sie leis aus den Haaren,
drin sie so gern gefangen waren,
und hält den lieben jungen Jahren
nach neuen seine Hände hin.
[R.M. Rilke: Du mußt das Leben nicht verstehen]

Ein Computer kann programmiert werden zu sagen er sei sich seiner eigenen Existenz bewusst. [Martin Cohen: 99 philosophische Rätsel]

Mein Gebet ist nicht Bettlergeheul und nicht Liebeserklärung. Auch nicht niedere Händlerabrechnung: Ich gab dir, gib du mir. Mein Gebet ist der Bericht des Soldaten an den Befehlsherrn. Dies hab ich heut‘ vollbracht, dies ist der Beitrag aus meinem Feld, um die Schlacht zu gewinnen, auf diese Hindernisse bin ich gestoßen, dies ist mein Plan für den morgigen Tag. [Nikos Kazantzakis: Askese]

Wir bekämpfen nicht unsere dunklen Triebe mit einer blassen, kraftlosen, außerhalb der Triebe stehenden Tugend, sondern mit anderen, leidenschaftlicheren Trieben. [Nikos Kazantzakis: Askese]

Ich kenne dich, du bist die tief Gebeugte,
ich, der Durchbohrte, bin dir untertan.
Wo flammt ein Wort, das für uns beide zeugte?
Du – ganz, ganz wirklich. Ich – ganz Wahn.
[Paul Celan: Ich kenne dich]

There was a young man who said „God
Must think it exceedingly odd
If he finds that this tree
Continues to be
When there is no one about in the Quad”
“Dear Sir, your astonishment’s odd,
I am always about in the Quad
And that’s why this tree
Will continue to be
Since observed by,
Yours faithfully, God…”
[Ronald Knox]

Ob Sterben grausam ist, so bild ich mir doch ein, Daß Lieblichers nicht ist, als das Gestorben–sein. [Friedrich von Logau]

Wenn man sich fragt, wie die anderen einen sehen und sich bemüht, ein möglichst sympathisches Bild abzugeben, wird einem das als Verstellung oder falsches Spiel ausgelegt. Aber gibt es eine direkte Verbindung zwischen zwei Ichs ohne Vermittlung der Augen? Ist Liebe denkbar, ohne daß wir unser Bil din den Gedanken der geliebten Person ängstlich verfolgen? Wenn wir uns nicht mehr dafür interessieren, wie der andere uns sieht, bedeutet das, daß wir ihn nicht mehr lieben. […] Es ist eine naive Illusion zu glauben, daß unser Bild nur ein Schein sei, hinter dem sich unser wahres Ich als von den Augen der Welt unabhängies Wesen verbirgt. Die Imagologen haben mit aller zynischen Radikalität klargemacht, daß  das Gegenteil der Fall ist: unser Ich ist bloßer Schein, unfaßbar, unbeschreibbar, verschwommen, unser Bild in den Augen anderer hingegen die einzige, fast zu leicht zu fassende und zu beschreibende Wirklichkeit. [Milan Kundera: Die Unsterblichkeit]

Zwei Jahre war ihr Glück ungetrübt. Dann wurde Bernard zum totalen Esel ernannt und wortkarg. Laura wußte nichts von dem Diplom (Paul hatte Wort gehalten), und da sie Bernard nie nach seiner Arbeit fragte, wußte sie nichts von seinen beruflichen Schwierigkeiten (ein Unglück kommt bekanntlich selten allein) und erklärte sich seine Verschlossenheit damit, daß er sie nicht mehr liebte. Sie hatte ihn schon mehrmals dabei ertappt, daß er nicht mehr wußte, was sie gerade zu ihm gesagt hatte, und sie war sich sicher, daß er in solchen Momenten an eine andere Frau dachte. Ach, in der Liebe braucht es so wenig, um einen Menschen in Verzweiflung zu stürzen! [Milan Kundera: Die Unsterblichkeit]

„Daß man einen Schmerz nicht mehr ertragen kann. Oder die Bosheit der Leute. Daß man den Leuten aus den Augen gehen will und verschwindet. Jeder hat das Recht, sich umzubringen. Das gehört zu unserer Freiheit. Ich habe nichts gegen Selbstmord, solange es tatsächlich eine Art Verschwinden ist. […] Aber das ist bei ihr nicht der Fall. Sie will nicht verschwinden. Sie denkt an Selbstmord, weil das für sie iene Art und Weise ist zu bleiben. Bei ihm zu bleiben. Bei uns zu bleiben. Sich mit ihrem ganzen Körper in unser Leben zu drüngen. Uns zu zermalmen.“ [Milan Kundera: Die Unsterblichkeit]

„Wenn du begreifst“, sagt Brandy, „dass das, was du erzählst, nur eine Geschichte ist. Die nicht mehr passiert. Wenn du kapierst, dass die Geschichte, die du erzählst, nur aus Worten besteht, wenn du sie einfach zerknüllen und in den Papierkorb schmeißen kannst“, sagt Brandy, „dann überlegen wir uns, wer du in Zukunft sein wirst.“ [Chuck Palahniuk: Fratze]

Lassen Sie mich Ihnen sagen, dass es eines der ersten Symptome einer Psychose ist, wenn sich jemand zu fragen beginnt, ob er psychotisch wird. Eine weitere Form der chinesischen Fingerfalle. [Philip K. Dick: Valis]

Geistesgestörte haben nichts für das Prinzip wissenschaftlicher Sparsamkeit übrig, das verlangt, eine gegebene Anzahl Fakten durch die denkbar einfachste Theorie zu erklären. Für sie gilt: je komplizierter, desto besser. [Philip K. Dick: Valis]

„Realität ist das, was nicht verschwindet, wenn man aufhört, daran zu glauben.“
Fat glaubte nicht, dass Sherri mit Hass antwortete, wenn man ihr Hilfe anbot, Aber dadurch änderte sich nichts an der Tatsache. Deshalb war ihre Reaktion ein Teil dessen, was wir Realität nennen. [Philip K. Dick: Valis]

„Die Schöpfergottheit“, erklärte Fat, „ ist vielleicht verrückt – und deshalb ist auch das Universum verrückt. Was wir als Chaos erfahren, ist in Wirklichkeit Irrationalität. Das ist ein Unterschied.“ Dann schwieg er.
„Das Universum ist das, was man daraus macht“, entgegnete Maurice. „Wie man damit umgeht, ist das, was zählt. Es liegt an Ihnen, aus dem Universum etwas zu gewinnen, das Ihr Leben unterstützt und es nicht zerstört.“
„Das ist die existenzialistische Position“, nickte Fat. „Sie basiert auf der Vorstellung, dass wir das sind, was wir tun und nicht das, was wir denken. Sie findet zum ersten mal Ausdruck in Goethes Faust, Teil eins, wo Faust sagt: Im Anfang war das Wort. Er zitiert damit den Beginn des Vierten Evangeliums. Faust fährt fort: Nein. Im Anfang war die Tat. Das ist der Ursprung des Existenzialismus.“ [Philip K. Dick: Valis]

„Als ich diese Frau kennenlernte“, sagte ich u Fat, während wir tranken, „und ich ihr von meinem Kater erzählte, der gestorben war, da sagte ich: Tja, er ruht nun in Ewigkeit. Und daraufhin erklärte sie in völligem Ernst: Meine Katze ist in Glendale begraben. Wir fuhren natürlich alle sofort darauf ab und verglichen das Wetter in Glendale mit dem Wetter in Ewigkeit.“ [Philip K. Dick: Valis]

„Kevin ist total verkorkst. Er wird am Jüngsten Tag seine gottverdammte tote Katze aus seinem Mantel wickeln, und man wird ihn auslachen, so wie er uns auslacht. Das ist es, was er verdient hat: ein Richter, der genauso ist wie er.“
„Das ist keine schlechte theologische Idee“, bemerkte ich. „Man steht sich selbst gegenüber.“[Philip K. Dick: Valis]

„>„Kann er einen Menschen erschaffen, der so einfältig ist, dass er glaubt, nichts würde existieren? Denn wenn nichts existiert, was bedeutet dann das Wort nichts? Wie definiert sich das eine Nichts, das existiert im Vergleich zu einem anderen Nichts, das nicht existiert?“ […] „Was existiert“, erklärte David, „ist Gott und der Wille Gottes.“ „Ich hoffe, dass er mich in seinem Willen bedacht hat“, spottete Kevin. „Und ich hoffe, er hat mir mehr als einen Dollar hinterlassen.“[Philip K. Dick: Valis]

„>Große Kunst war für jene da, die den Tod betrachteten und nicht für jene, die den Tod erfuhren. Für die sterbende Kreatur war eine Tasse Wasser wichtiger.[Philip K. Dick – Die göttliche Invasion]

„Es ist sehr leicht, einem Computer unabsichtlich eine Frage zu stellen, die er nicht beantworten kann – nicht weil er dumm ist, sondern weil se auf diese Frage einfach keine Antwort gibt.“ „Ich verstehe.“ „Nimm folgendes Beispiel und sag mir, ob es Sinn gibt: Nenn mir die höchste Zahl unter zwei.“[Philip K. Dick: Die Wiedergeburt des Timothy Archer]

„Trotzdem ich Dich sehr lieb und der sein möchte, der von Dir erwählt,
Bin ich mit Deinem Feind vermählt:
Scheide mich, befreie mich, löse, was mich hemmt,
Denn wenn Du mich nicht fesselst, werd‘ ich niemals frei,
Und wenn Du mich nicht schändest, werde‘ ich niemals rein.“
[John Donne]

„>Schopenhauer glaubte, dass Kunst, insbesondere Musik, die Macht hat, den Willen, den irrationalen, kämpfenden Willen, dazu zu bringen, auf und in sich selbst zurückzukehren und den Kampf einzustellen. Er hielt die für eine religiöse Erfahrung, wenn auch für eine zeitlich begrenzte. Irgendwie besitzt Kunst, aus bestimmten Gründen vor allem die Musik, die Macht, den Menschen aus einem irrationalen Etwas in ein rationales Wesen zu verwandeln, das nicht nur von biologischen Impulsen angetrieben wird, von Trieben, die per Definition niemals befriedigt werden können.“[Philip K. Dick: Die Wiedergeburt des Timothy Archer]

„>Die antiken Denker hielten nicht den Tod an sich für böse – denn der Tod kommt zu allen. Was sie zu recht als böse erkannten, war der vorzeitige Tod, der Tod, der einen Menschen ereilt, bevor er sein Werk vollenden kann. Vor der Reife gepflückt, ein harter, grüner kleiner Apfel, den der Tod nahm und dann fortwarf – als wäre er ohne jeden Reiz, nicht einmal für den Tod.“ [Philip K. Dick: Die Wiedergeburt des Timothy Archer]

„>„Das Pathologische ängstigt mich. Ich fühle Pathologisches. Ich spüre, wie überaus tüchtige, verantwortungsbewusste Menschen ihr Leben im Austausch gegen einen warmen Körper ruinieren, gegen einen vorübergehend warmen Körper. Was das betrifft, spüre ich nicht einmal, dass die Körper warm bleiben. Ich spüre, dass alles erkaltet.“[Philip K. Dick: Die Wiedergeburt des Timothy Archer]

Im vierten Kapitel von „Alice im Spiegelland“ treffen Alice, Dideldum und Dideldei auf den Schwarzen König, der unter einem Baum liegt und schläft. „Er träumg gerade, sagt Dideldei zu Alice. „Und was denkst du wohl, wovon er träumt?“ – „Das kann keiner wissen“, entgegnet Alice. – „Nun, von dir“ Und wenn er aufhören würde von dir zu träumen, wo glaubst du, wärst du dann? Du wärst nirgendwo. Du bist doch nur eine Vision in seinem Traum!“ Woraufhin Alice, obwohl sie dem Argument nicht so recht folgen mag, es tunlichst vermeidet, den Schwarzen König zu wecken. [Sascha Mamczak im Vorwort zu Philip K. Dicks Ubik]

„und plötzlich merkte ich, dass ich einen zu konventionellen Roman schreib, und ich geriet in Panik und entschloss mich einfach, alles hineinzupacken, was mir einfiel…“ Unter anderem fiel ihm ein: Das Tibetanische Totenbuch, Planons frühe Phantomatik, die Kryo-Technik, die Lehre von der Entropie, sprechende Münzgeräte, Shakespeares Richard der Dritte und Pu der Bär – Sie sehen, Sie haben einiges vor sich … [Sascha Mamczak im Vorwort zu Philip K. Dicks Ubik]

Das schwerste Gewicht beugt uns nieder, erdrückt uns, preßt uns zu Boden. In der Liebeslyrik aller Zeiten aber sehnt sich die Frau nach der Schwere des männlichen Körpers. Das schwerste Gewicht ist also gleichzeitig ein Bild intensivster Lebenserfüllung. Je schwerer das Gewicht, desto näher ist unser Leben der Erde, desto wirklicher und wahrer ist es. Im Gegensatz dazu bewirkt die völlige Abwesenheit von Gewicht, daß der Mensch leichter wird als Luft, daß er emporschwebt und sich von der Erde, vom irdischen Sein entfernt, daß er nur noch zur Hälfte wirklich ist und seine Bewegungen ebenso frei wie bedeutungslos sind. Was also soll man wählen? Das Schwere oder das Leichte? Parmenides hat sich diese Frage im sechsten Jahrhundert vor Christus gestellt. Er sah die ganze Welt in Gegensatzpaare aufgeteilt: Licht-Dunkel; Feinheit-Grobheit; Wärme-Kälte, Sein-Nichtsein. Er betrachtete den einen Pol (Licht, Feinheit, Wärme, Sein) als positiv, den anderen als negativ. Eine solche Aufteilung sieht kinderleicht aus, bringt jedoch eine Schwierigkeit mit sich: was ist positiv, das Schwere oder das Leichte? Parmenides antwortete: das Leichte ist positiv, das Schwere ist negativ. Hatte er recht oder nicht? Das ist die Frage. Sicher ist nur eines: der Gegensatz von leicht und schwer ist der geheimnisvollste und vieldeutigste aller Gegensätze. [Milan Kundera: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins – Seite 9]

Es ist unmöglich zu überprüfen, welche Entscheidung die richtige ist, weil es keine Vergleiche gibt. Man erlebt alles unmittelbar, zum ersten Mal und ohne Vorbereitung. Wie ein Schauspieler, der auf die Bühne kommt, ohne vorher je geprobt zu haben. Was aber kann das Leben wert sein, wenn die erste Probe für das Leben schon das Leben selber ist? Aus diesem Grund gleicht das Leben immer einer Skizze. Auch >Skizze< ist nicht das richtige Wort, weil Skizze immer ein Entwurf zu etwas ist, die Vorbereitung eines Bildes, während die Skizze unseres Lebens eine Skizze von nichts ist, ein Entwurf ohne Bild. Einmal ist keinmal, sagt sich Thomas. Wenn man ohnehin nur einmal leben darf, so ist es, als lebe man überhaupt nicht. [Milan Kundera: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins – Seite 12]

Damals war Thomas noch nicht klar, daß Metaphern gefährlich sind. Mit Metaphern spielt man nicht. Die Liebe kann aus einer einzigen Metapher geboren werden.[Milan Kundera: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins – Seite 14]

Übrig blieb einzig die Angst vor den Frauen. Er begehrte sie, aber fürchtete sich vor ihnen. Er mußte einen Kompromiß zwischen Angst und Verlangen finden und nannte ihn >erotische Freundschaft<. Seinen Freundinnen beteuerte er: nur in einer unsentimentalen Beziehung, in der keiner Ansprüche auf das Leben und die Freiheit des andern erhebt, können beide glücklich werden. Weil er sichergehen wollte, daß die erotische Freundschaft niemals in eine aggressive Liebe überging, traf er sich mit seinen ständigen Freundinnen nur in langen Abständen. Er hielt diese Methode für perfekt und propagierte sie unter seinen Freunden: „Man muß die Dreierregel einhalten. Entweder sieht man eine Frau in kurzen Abständen, aber dann nicht öfter als dreimal, oder man verkehrt jahrelang mit ihr, dann allerdings nur unter der Bedingung, daß mindestens drei Wochen zwischen den Verabredungen liegen.“ [Milan Kundera: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins – Seite 15]

Thomas sagte sich: Mit einer Freu schlafen und mit einer Frau einschlafen sind nicht nur zwei verschiedene, sondern geradezu gegensätzliche Leidenschaften. Liebe äußert sich nicht im Verlangen nach dem Liebesakt (dieses Verlangen betrifft unzählige Frauen), sondern im Verlangen nach dem gemeinsamen Schlaf (dieses Verlangen betrifft nur eine einzige Frau). [Milan Kundera: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins]

Nun war das Fest vorbei, sie fürchtete sich wieder vor den Nächsten und wollte vor ihnen fliehen. Sie hatte erfahren, daß es Umstände gab, in denen sie sich stark und zufrieden fühlte, und sie wollte in die Welt hinaus in der Hoffnung, dort vielleiht ähnliche Umstände wiederzufinden. [Milan Kundera: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins – Seite 29]

All diese russischen Panzer waren nichts, gemessen an dieser Schwere. Es gibt nichts Schwereres as das Mitgefühl. Selbst der eigene Schmerz ist nicht so schwer wie der Schmerz, den man mit einem anderen, für einen anderen, an Stelle eines anderen fühlt, der sich durch die Vorstellungskraft vervielfältigt, sich in hundertfachem Echo verlängert. [Milan Kundera: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins – Seite 33]

Sie sah ihrer Mutter nicht nur ähnlich, manchmal habe ich den Eindruck, daß ihr Leben nur eine Verlängerung des Lebens der Mutter war, wie der Lauf einer Billardkugel die Verlängerung der Handbewegung des Spielers.  [Milan Kundera: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins – Seite 43]

Ihr Benehmen ist eine einzige brutale Geste, mit der sie Jugend und Schönheit von sich wirft. Zu der Zeit, als die neun Freier im Kreis um sie herum knieten, hütete sie ängstlich ihre Nacktheit, als würde sie den Wert ihres Körpers am Maß ihrer Scham messen. Wenn sie sich heute nicht mehr schämt, so tut sie das radikal, als wollte sie mit ihrer Schamlosigkeit einen feierlichen Strich unter ihre Leben ziehen und laut aufschreien, daß Jugend und Schönheit, die sich überschätzt habe, in Wirklichkeit keinen Wert besäßen. [Milan Kundera: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins – Seite 47]

Nicht die Notwendigkeit, sondern der Zufall ist voller Zauber. Soll die Liebe unvergeßlich sein, so müssen sich vom ersten Augenblick an Zufälle auf ihr niederlassen wie die Vögel auf den Schultern des Franz von Assisi. [Milan Kundera: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins – Seite 52]

Am Anfang jenes Romans, den sie unter dem Arm trug, als sie zu Tomas kam, begegnen sich Anna und Wronski unter eigenartigen Umständen. Sie stehen auf einem Bahnsteig, wo gerade jemand unter den Zug gefallen ist. Am Ende des Romans stürzt sich Anna unter den Zug. Diese symmetrische Komposition, in der dasselbe Motiv am Anfang und am Ende erscheint, mag Ihnen sehr >romanhaft< vorkommen. Ja, ich gebe es zu, aber nur unter der Voraussetzung, daß Sie das Wort >romanhaft< auf keinen Fall verstehen als >erfunden<, >künstlich< oder >lebensfremd<. Denn genauso ist das menschliche Leben komponiert. Es ist komponiert wie ein Musikstück. Der Mensch, der vom Schönheitssinn geleitet ist, verwandelt ein zufälliges Ereignis (eine Musik von Beethoven, einen Tod auf einem Bahnhof) in ein Motiv, das er der Partitur seines Lebens einbeschreibt. Er nimmt es wieder auf, wiederholt es, variiert und entwickelt es weiter, wie ein Komponist die Themen seiner Sonate transponiert. Anna hätte sich das Leben auch anders nehmen können. Doch das Motiv von Bahnhof und Tod, dieses unvergeßliche, mit der Geburt ihrer Liebe verbundene Motiv, zog sie im Moment der Verzweiflung durch seine dunkle Schönheit an. Ohne es zu wissen, komponiert der Mensch sein Leben nach den Gesetzen der Schönheit, sogar in Momenten tiefster Hoffnungslosigkeit. Man kann dem Roman also nicht vorwerfen, vom geheimnisvollen Zusammentreffen der Zufälle fasziniert zu sein (wie etwa dem Zusammentreffen von Wronski, Anna, Bahnsteig und Tod oder dem Zusammentreffen von Beethoven, Tomas, Teresa und Cognac), dem Menschen aber kann man zu Recht vorwerfen, daß er im Alltag solchen Zufällen gegenüber blind sei und dem Leben so die Dimension der Schönheit nehme. [Milan Kundera: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins – Seite 52]

Es war kein Seufzen, kein Stöhnen, es war wirklich ein Schrei. Sie schrie so laut, daß Tomas seinen Kopf von ihrem Gesicht abwendete, als würde diese Stimme an seinem Ohr ihm das Trommelfell zerreißen. Der Schrei war nicht Ausdruck von Sinnlichkeit. Sinnlichkeit ist die größtmögliche Mobilisierung der Sinne: man beobachtet den anderen gespannt und nimmt die geringsten Geräusche wahr. Ihr Schrei hingegen sollte die Sinne betäuben, damit sie weder sehen noch hören konnte. Was aus ihr schrie, war der naive Idealismus ihrer Liebe, die die Aufhebung aller Gegensätze sein wollte: die Aufhebung der Dualität von Körper und Seele, vielleicht sogar die Aufhebung der Zeit. [Milan Kundera: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins – Seite 54]

Sie war zu ihm gekommen, um der Welt der Mutter zu entrinnen, wo alle Körper gleich waren. Sie war zu ihm gekommen, damit ihr Körper einzigartig und unersetzlich würde. Und auch er hat ein Gleichheitszeichen zwischen sie und die andern Frauen gesetzt: er küßt sie alle auf die gleiche Weise, er streichelt sie alle auf die gleiche Weise, er macht keinen, aber auch gar keinen Unterschied zwischen Teresas Körper und den anderen Körpern. Er hat sie zurückgeschickt in die Welt, aus der sie entrinnen wollte. Er hat sie nackt mit den anderen nackten Frauen marschieren lassen. [Milan Kundera: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins – Seite 57]

Diese Träume waren vielsagend, aber sie waren auch schön. Das ist ein Aspekt, der Freud in seiner Traumdeutung entgangen ist. Der Traum ist nicht nur eine (möglicherweise chiffrierte) Mitteilung, sondern auch eine ästhetische Aktivität, ein Spiel der Imagination, und dieses Spiel ist ein Wert an sich.  [Milan Kundera: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins – Seite 58]

Wer stets >höher hinaus< will, muß damit rechnen daß ihn eines Tages Schwindel überfällt. Was ist das, Schwindel? Angst vor dem Fall? Wieso überkommt uns dann Schwindel auch auf einem Aussichtsturm, der mit einem Geländer gesichert ist? Schwindel ist etwas anders als Angst vor dem Fall. Schwindel bedeutet, daß uns die Tiefe anzieht und lockt, sie weckt in uns die Sehnsucht nach dem Fall, eine Sehnsucht, gegen die wir uns dann erschrocken wehren. [Milan Kundera: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins – Seite 59]

Er sagte sich, die Grundfrage laute nicht: Haben sie es so gewußt oder nicht?, sondern: Ist der Mensch unschuldig, weil er unwissend ist? Ist ein Dummkopf auf dem Thron von aller Verantwortung freigesprochen, nur weil er ein Dummkopf ist? [Milan Kundera: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins – Seite 168]

Männer, die einer Vielzahl von Frauen nachjagen, lassen sich leicht in zwei Kategorien einteilen. Die einen suchen in allen Frauen ihren eigenen, subjektiven und stets gleichen Traum von der Frau. Die anderen werden vom Verlangen getrieben, sich der unendlichen Buntheit der objektiven weiblichen Welt zu bemächtigen. Die Besessenheit der einen ist lyrisch: sie suchen in den Frauen sich selbst, ihr Ideal, und sind immer von neuem enttäuscht, denn ein Ideal ist bekanntlich etwas, das man nie finden kann. Die Enttäuschung, die sie von einer Frau zur anderen treibt, verleiht ihrer Unbeständigkeit eine romantische Entschuldigung, so daß viele sentimentale Damen ihre hartnäckige Polygamie rührend finden. Die Besessenheit der anderen ist episch, und darin sehen Frauen nichts Rührendes: Der Mann projiziert kein subjektives Ideal auf die Frauen; daher interessiert ihn alles, und nichts kann ihn enttäuschen. Gerade diese Unfähigkeit, enttäuscht zu werden, hat etwas Ungehöriges an sich. Die Besessenheit des epischen Frauenhelden kommt einem billig vor, weil sie nicht durch Enttäuschung erkauft wurde. [Milan Kundera: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins – Seite 191-192]

Dieses Lied rührt Sabina, doch nimmt sie ihre eigene Rührung nicht ernst. Sie weiß nur zu gut, daß dieses Lied eine schöne Lüge ist. Und in dem Moment, da der Kitsch als Lüge entlarvt wir, gerät er in den Kontext des Nicht-Kitsches. Er verliert seine autoritäre Macht und ist rührend wie jede andere menschliche Schwäche. Keiner von uns ist ein Übermensch, der völlig gegen den Kitsch gefeit wäre. Wir können ihn noch so verabscheuen, der Kitsch gehört nun einmal zum menschlichen Dasein. [Milan Kundera: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins – Seite 245]

Am Anfang der Genesis steht geschrieben, daß Gott den Menschen geschaffen hat, damit er über Gefieder, Fische und Getier herrsche. Die Genesis ist allerdings von einem Menschen geschrieben, und nicht von einem Pferd. Es gibt keine Gewißheit, daß Gott dem Menschen die Herrschaft über die anderen Lebewesen tatsächlich anvertraut hat. Viel wahrscheinlicher ist, daß der Mensch sich Gott ausgedacht hat, um die Herrschaft, die er an sich gerissen hat über Kuh und Pferd, heiligzusprechen. Jawohl, das Recht, einen Hirsch oder eine Kuh zu töten, ist das einzige, worin die ganze Menschheit einhellig übereinstimmt, sogar während der blutigsten Kriege. [Milan Kundera: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins – Seite 274]

Die wahre menschliche Güte kann sich in ihrer absoluten Reinheit und Freiheit nur denen gegenüber äußern, die keine Kraft darstellen. Die wahre moralische Prüfung der Menschheit, die elementarste Prüfung (die so tief im Innern verankert ist, daß sie sich unserem Blick entzieht) äußert sich in der Beziehung der Menschen zu denen, die ihnen ausgeliefert sind: zu den Tieren. Und gerade hier ist es zum grundlegenden Versagen des Menschen gekommen, zu einem so grundlegenden Versagen, daß sich alle anderen aus ihm ableiten lassen. [Milan Kundera: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins – Seite 277]

Karenin weiß nichts von der Dualität von Körper und Seele, und er weiß nicht, was Ekel ist. Deshalb fühlt Teresa sich in seiner Gesellschaft so wohl und ruhig. (Und deshalb ist es so gefährlich, ein Tier in eine belebte Maschine, eine Kuh in einen Milchautomaten zu verwandeln: der Mensch schneidet auf diese Weise die Schnur durch, die ihn mit dem Paradies verbindet, und nichts wird ihn aufhalten, nichts wir ihn trösten können auf seinem Flug durch die Leere der Zeit.) [Milan Kundera: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins – Seite 284]

Diese Liebe ist selbstlos: Teresa will nichts von Karenin. Nicht einmal Liebe fordert sie von ihm. Sie  hat sich niemals die Fragen gestellt, von denen die Menschenpaare gequält werden: Liebt er mich? Hat er jemand anderen mehr geliebt als mich? Liebt er mich mehr, als ich ihn liebe? Möglich, daß all dieses Fragen, die sich um die Liebe drehen, sie messen, erforschen, untersuchen und verhören, sie auch schon im Keim ersticken. Möglich, daß wir nicht fähig sind zu lieben, gerade weil wir uns danach sehnen, geliebt zu werden, das heißt: weil wir vom anderen etwas wollen (die Liebe), anstatt ohne Ansprüche auf ihn zuzugehen und nichts als seine Gegenwart zu wollen. [Milan Kundera: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins – Seite 285]

Tomas fuhr fort: „Ich habe gläubige Menschen immer bewundert. Ich habe gedacht, daß sie eine besondereGabe übersinnlicher Wahrnehmung besitzen, die mir versagt ist. Etwa wie Hellseher. Nun sehe ich aber am Beispiel meines Sohnes, dass Glauben im Grunde genommen etwas sehr Leichtes ist. Als er in Schwierigkeiten war, haben sich die Katholiken seiner angenommen, und auf einmal war der Glaube da. Vielleicht hat er beschlossen, aus Dankbarkeit zu glauben. Menschliche Entscheidungen sind schrecklich einfach.“ [Milan Kundera: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins -Seite 295]

Warum bin ich so beschaffen? Fragte Regine sich. Wenn Leute um mich her leben, lieben und glücklich sind, habe ich das Gefühl, daß sie an mir einen Mord begehen. [Simone de Beauvoir: Alle Menschen sind sterblich]

Alles wird genauso sein, und ich bin nicht mehr da. So ist der Tod, dachte sie. Wenn man wenigstens in der Luft so etwas wie eine Einbuchtung zurückließe, in der sich der Wind mit stöhnen fängt; aber nein; keine Runzel, kein Fältchen. Eine andere Frau wird in diesem Bett liegen… Sie schlug die Decken zurück. Die Tage waren ihr so karg zugemessen, daß sie nicht eine Minute davon verlieren sollte. [Simone de Beauvoir: Alle Menschen sind sterblich]

„Sechzig Jahre!“
Er lächelte.
„Sechzig Sekunden, wenn Sie wollen“, sagte er. „Was liegt schon daran? Es gibt Augenblicke, in denen die Zeit stillesteht.“
Er blickte lange auf seine Hände:
„Augenblicke, in denen man jenseits des Lebens steht und alles übersieht. Und dann kommt die Zeit wieder in Gang, das Herz schlägt, man streckt die Hand aus, man setzt den Fuß wieder einen Schritt vor, man weiß dann noch, doch man sieht nicht mehr.“
„Ja“, sagte sie. „Man stellt fest, daß man in seinem Zimmer seitzt und sich die Haare kämmt.“
„Man muß sie nun einmal kämmen. Alle Tage sogar.“ [Simone de Beauvoir: Alle Menschen sind sterblich]

„Warum sollte er denn nicht unsterblich sein?“ fragte sie herausfordernd. „Mir kommt das nicht wunderbarer vor, als daß man stirbt und geboren wird.“ [Simone de Beauvoir: Alle Menschen sind sterblich]

„Du wirst niemals tanzen lernen“, sagte sie. „Du bist zu vernünftig.“
Sie sank in den Sessel zurück.
„Gib mir eine Zigarre“, sagte sie zu Roger.
„Es wird dir übel werden“, wandte Roger ein.
„Gut, dann übergebe ich mich. Das ist mal was anderes.“ [Simone de Beauvoir: Alle Menschen sind sterblich]

„Retten Sie mich“, sagte sie. „Retten Sie mich vor dem Tode!“
„Ach!“, rief er leidenschaftlich aus. „Retten Sie vielmehr mich!“
Er nahm Regines Antlitz zwischen seine Hände; er blickte sie so abgründig an, als wolle er ihr die Seele aus ihrem Leibe reißen:
„Retten Sie mich vor der Nacht und vor der Gleichgültigkeit“, sagte er. „Machen Sie, daß ich Sie liebe und daß Sie existieren vor allen anderen Frauen. Dann erst wird die Welt wieder Gestalt bekommen. Es wird wieder Tränen und Lächeln geben, wieder Erwartung und Furcht. Ich werde wieder ein Lebender sein.“ [Simone de Beauvoir: Alle Menschen sind sterblich]

„Sagen Sie: Immer“, forderte sie.
„Dieser Augenblick ist da“, sagte er, „und er gehört uns beiden. Weiter denken wir lieber nicht.“ [Simone de Beauvoir: Alle Menschen sind sterblich]

Die Welt wurde immer weiter, die Menschen vermehrten sich an Zahl, ihre Städte wuchsen, sie machten Wälder urbar und legten Sümpfe trocken, neue Werkzeuge gingen aus ihren Händen hervor; aber ihre Kämpfe wurden immer roher, und durch Mord und Blutvergießen kamen jetzt Tausende um: sie lernten im gleichen Maße zerstören, wie sie sich im Bauen vervollkommneten. Es schien, als sei eine launische Gottheit am Werk, die darauf bedacht war, zwischen Leben und Tod, zwischen Wohlstand und Elend ein unveränderliches, sinnloses Gleichgewicht zu halten. [Simone de Beauvoir: Alle Menschen sind sterblich]

„Das ist es ja gerade: ich kenne Sie eben nicht“, sagte sie. „Sie können ablehnen, aber vielleicht nehmen Sie auch an: ich versuche mein Glück.“ [Simone de Beauvoir: Alle Menschen sind sterblich]

„So verlieben sich zwei Menschen ineinander, wenn sie das Gefühl haben, das beste Objekt gefunden zu haben, das für sie in Anbetracht des eigenen Tauschwerts auf dem Markt erschwinglich ist.“ [Erich Fromm: Die Kunst des Liebens]

„Das Buch möchte ganz im Gegenteil zeigen, daß die Liebe kein Gefühl ist, dem sich jeder ohne Rücksicht auf den Grad der eigenen Reife nur einfach hinzugeben braucht. Ich möchte den Leser davon überzeugen, daß alle seine Versuche zu lieben fehlschlagen müssen, sofern er nicht aktiv versucht seine ganze Persönlichkeit zu entwickeln und es ihm so gelingt, produktiv zu werden, ich möchte zeigen, daß es in der Liebe zu einem anderen Menschen überhaupt keine Erfüllung ohne die Liebe zum Nächsten, ohne wahre Demut, ohne Mut Glaube und Disziplin geben kann. In einer Kultur, in der diese Eigenschaften rar geworden sind, wird die Fähigkeit zu lieben nur selten voll entwickelt.“ [Erich Fromm: Die Kunst des Liebens]

„Nachdem er einmal aus dem Paradies – dem Zustand des ursprünglichen Einsseins mit der Natur – vertrieben ist […] kann [der Mensch] nur vorwärtsschreiten, indem er seine Vernunft entwickelt, indem er eine neue, eine menschliche Harmonie findet anstelle der vormenschlichen Harmonie, die unwiederbringlich verloren ist.“ [Erich Fromm: Die Kunst des Liebens]

„In der Liebe kommt es zum Paradoxon, daß zwei Wesen eins werden und trotzdem zwei bleiben“ [Erich Fromm: Die Kunst des Liebens]

„Das verbreitete Mißverständnis besteht in der Annahme, geben heiße etwas „aufgeben“, dessen man damit berauct wird und das man zum Opfer bringt. Jemand, dessen Charakter sich noch nicht über das Stadium der rezeptiven, ausbeuterischen oder hortenden Orientierung hinausentwickelt hat, erfährt den Akt des Gebens auf diese Weise.“ [Erich Fromm: Die Kunst des Liebens]

„Gerade im Akt des Schenkens erlebe ich meine Stärke, meinen Reichtum, meine Macht.“ [Erich Fromm: Die Kunst des Liebens]

„Nicht der ist reich, der viel hat, sondern der, welcher viel gibt.“ [Erich Fromm: Die Kunst des Liebens]

„Indem er gibt, kann er nicht umhin, im anderen etwas zum Leben zu erwecken, und dieses zum Leben Erweckte strahlt zurück auf ihn, wenn jemand wahrhaft gibt, wird er ganz von selbst etwas zurückempfangen.“ [Erich Fromm: Die Kunst des Liebens]

„Sie kamen zur Welt, sie wuchsen in der Gosse auf, sie begannen mit zwölf zu arbeiten, sie durchlebten eine kurze Blüte der körperlichen Schönheit und sexuellen Lust, sie heirateten mit zwanzig, begannen mit dreißig zu altern und starben größtenteils mit sechzig. Körperliche Schwerarbeit, die Sorge um Heim und Kinder, kleinliche Streitereien mit den Nachbarn, Kino, Fußball, Bier und vor allem Glücksspiele steckten ihren Denkhorizont ab. Es war nicht schwer, sie unter Kontrolle zu halten.“ [George Orwell: 1984]

„Man brauchte sich ja bloß umzublicken, um festzustellen, dass das Leben nicht nur in Diskrepanz zu den Lügen stand, die aus den Teleschirmen strömten, sondern sogar zu den Idealen, die die Parte anstrebte.“ [George Orwell: 1984]

„Er begriff, dass man in Gefahrenmomenten nie gegen einen äußeren Feind kämpft, sondern immer nur gegen den eigenen Körper.“ [George Orwell: 1984]

„Entscheidender war, dass der Sexualentzug Hysterie auslöste, ein erstrebenswertes Ziel, denn diese Hysterie konnte in Kriegsfieber und Führerverehrung umgewandelt werden.“ [George Orwell: 1984]

„Alle für unsere Zeit charakteristischen Ansichten, Gewohnheiten, Moden, Emotionen und geistige Einstellungen sind in Wirklichkeit dazu ausersehen, das Mystische der Partei zu fördern und zu verhindern, dass die wahre Natur der heutigen Gesellschaft erkannt wird.“  [George Orwell: 1984]

„Vergangene Ereignisse, so wird argumentiert, besitzen keine objektive Existenz, sondern überdauern nur in schriftlichen Dokumenten und in der Erinnerung des Menschen.“ [George Orwell: 1984]

„Es war eine sonderbare Vorstellung, dass der Himmel für jedermann gleich war, ob in Eurasien, in Ostasien oder hier. Und die Menschen unter dem Himmel glichen sich ebenfalls – überall auf der Welt gab es Hunderte oder Tausende von Millionen Menschen, die genauso waren; Menschen, die nichts voneinander wußten, Menschen, die von Mauern aus Haß und Lügen getrennt wurden und sich doch beinahe aufs Haar glichen – Menschen, die nie denken gelernt hatten, die aber in ihren Herzen und Leibern und Muskeln die Macht aufspeicherten, die eines Tages die Welt umstürzen würde.“ [George Orwell: 1984]

„So long as human beings stay human, death and life are the same thing.“ [George Orwell: 1984]

“In this game that we’re playing, we can’t win. Some kinds of failure are better than other kinds, that’s all.” [George Orwell: 1984]

“Keep on buying things that you don’t need” [London Street Art Anthology]

“You are not the car you drive. You are not how much money you have in the bank.” [London Street Art Anthology]

“Take me! I could be valuable too one day” [London Street Art Anthology]

“A lot of people never use their initiative because no-one told them to.” [Banksy: Wall an Piece]

“There are no exceptions to the rule that everyone thinks they’re an exception to the rule.” [Banksy: Wall an Piece]

“The greatest crimes in the world are not committed by people breaking the rules but b people following the rules. It’s people who follow orders that drop bombs and massacre villages” [Banksy: Wall an Piece]

“When the time comes to leave, just walk away quietly and don’t make any fuss.” [Banksy: Wall an Piece]

“You can win the rat race but you’re still a rat” [Banksy: Wall an Piece]

“Zweiundsechzigtausendvierhundert Wiederholungen ergeben eine Wahrheit.” [Aldous Huxley: Schöne neue Welt]

„Gefühl lauert in der winzigen Zeitspanne zwischen Begehr und Gewähr.“ [Aldous Huxley: Schöne neue Welt]

„Das traute Heim war ein Drecksnest, und Körper wie Seele waren gleichermaßen davon betroffen. Ein seelischer Kaninchenstall, ein Misthaufen, dampfend von der Reibung zusammengepferchten Lebens, stinkend von Gefühlen. Diese erstickende Nähe, diese gefährlichen, ungesunden, obszönen Beziehungen zwischen den einzelnen Familienmitgliedern.“ [Aldous Huxley: Schöne neue Welt]

„ >Und darin<, war der Direktor salbungsvoll ein >liegt das Geheimnis von Glück und Tugend: Tue gerne, was du tun musst! Unser ganzes Normungsverfahren verfolgt dieses Ziel: Die Menschen lehren, ihre unumstößliche soziale Bestimmung zu lieben.<“ [Aldous Huxley: Schöne neue Welt]

„Je mehr sich politische und wirtschaftliche Freiheit verringert, desto mehr pflegt die sexuelle Freiheit sich kompensatorisch auszuweiten. Und der Diktator (falls er nicht Kanonenfutter braucht und kinderreiche Familien, um mit ihnen noch unbesiedelte oder zu erobernde Gebiete zu kolonialisieren) wird gut daran tun, diese Freiheit zu fördern. In Verbindung mit der Freiheit des Tagträumers unter dem Einfluss von Rauschmitteln, Filmen und Rundfunk wird die sexuelle Freiheit dazu beitragen, seine Untertanen mit der Sklaverei, die ihr Los ist, auszusöhnen.“ [Aldous Huxley: Schöne neue Welt]

„Lenina fühlte sich plötzlich allen Empfindungen ausgeliefert, die man sonst nur am Anfang einer Behandlung mit dem Ersatz für tolle Leidenschaft durchlebte: grauenhafte Leere, atemberaubende Angst, Übelkeit. Ihr Herzschlag setzte aus.“ [Aldous Huxley: Schöne neue Welt]

„Solche Gedanken untergrunben nur zu schnell die Normung der weniger gefestigten Geister innerhalb der höheren Kasten, sie raubten ihnen den Glauben an das Glück als das höchste Gut und lehrten sie stattdessen den Glauben an ein Ziel, das irgendwo jenseits, irgendwo außerhalb des gegenwärtigen Bereichs lag. Solche Irrlehren führten dahin, den Sinn des Daseins nicht in der Erhaltung des Wohlbefindens zu sehen, sondern in der Erkenntnis der Vermehrung des Wissens.“ [Aldous Huxley: Schöne neue Welt]

„>Wie glücklich könnte man sein<, sann er, >wenn man nicht an das Glück denken müßte!<“ [Aldous Huxley: Schöne neue Welt]

„Dies reine Blatt, dies schöne Buch nur dazu, um Metze drauf zu schreiben?“ [Aldous Huxley: Schöne neue Welt]

„Wirkliches Gefühl sieht immer recht jämmerlich aus, verglichen mit den Überkompensationen für Unglück.“ [Aldous Huxley: Schöne neue Welt]

„Jeder ist seines Nächsten Eigentum“ [Aldous Huxley: Schöne neue Welt]

„Nur in der Theorie ist „Freitod“ Ausdruck von Selbstbestimmung – das reale Motiv ist Verzweiflung.“ [Ulrich Hegerl]

„Wenn alle untreu werden,
So bleib’ ich dir doch treu;
Daß Dankbarkeit auf Erden
Nicht ausgestorben sei.
Für mich umfing dich Leiden,
Vergingst für mich in Schmerz;
Drum geb‘ ich dir mit Freuden
Auf ewig dieses Herz.“ [Novalis]

„Im übrigen, wozu das Mitleid mit den Leuten? Sie leben ja noch, alle sechsunddreißig, und sind kerngesund. Glauben Sie mir, mein Lieber, was wir hinzudichten, ist nicht so schlimm wie das, was wir weglassen.“ Und dabei strich er wieder eine hale Seite aus dem Text der Kanzlerrede heaus. „Man beeinflusst die öffentliche Meinung mit Meldungen wirksamer als durch Artikel, aber am wirksamsten dadurch, daß man weder das eine noch das andere bringt. Die bequemste öffentliche Meinung ist noch immer die öffentliche Meinungslosigkeit.“ [Erich Kästner: Fabian – Die Geschichte eines Moralisten]

Er betrieb die gemischten Gefühle seit langem aus Liebhaberei. Wer sie untersuchen wollte, mußte sie haben. Nur während man sie besaß, konnte man sie beobachten. Man war ein Chirurg, der die eigene Seele aufschnitt. [Erich Kästner: Fabian – Die Geschichte eines Moralisten]

„Ich kann doch nichts.“ „Du kannst vieles.“ „Das ist dasselbe“, meinte Fabian. „Ich kann vieles und will nichts. Wozu soll ich vorwärtskommen? Wofür und wogegen? Nehmen wir wirklich einmal an, ich sei der Träger einer Funktion. Wo ist das System, in dem ich funktionieren kann? Es ist nicht da, und nichts hat Sinn.“ […] „Wenn es eine Gärtnerei gäbe, wie ich sie mir erträume! Ich brächte dich, an Händen und Füßen gefesselt, hin und ließe dir ein Lebensziel einpflanzen!“ [Erich Kästner: Fabian – Die Geschichte eines Moralisten]

„Ich weiß nicht, von wem der Satz stammt, daß geteiltes Leid halbes Leid sei, aber wenn der Quatschkopf noch leben sollte, dann wünsche ich ihm zweihundert Mark monatlich und eine achtköpfige Familie. Da soll er sein Leid so lange durch acht dividieren, bis er schwarz wird.“ [Erich Kästner: Fabian – Die Geschichte eines Moralisten]

„Früher verschenkte man sich und wurde wie ein Geschenk bewahrt. Heute wird man bezahlt und eines Tages, wie bezahlte und benutze Ware, weggetan.“ […] „Früher war das Geschenk etwas ganz anderes als die Ware. Heute ist das Geschenk eine Ware, die null Mark kostet. Diese Billigkeit macht den Käufer mißtrauisch. Sicher ein faules Geschäft, denkt er.“ [Erich Kästner: Fabian – Die Geschichte eines Moralisten]

„Wer ein Optimist ist, soll verzweifeln. Ich bin ein Melancholiker, mir kann nicht viel passieren. Zum Selbstmord neige ich nicht, denn ich verspüre nichts von jenem Tatendrang, der andere nötigt, so lange mit dem Kopf gegen die Wand zu rennen, bis der Kopf nachgibt. Ich sehe zu und warte. Ich warte auf den Sieg der Anständigkeit, dann könnte ich mich zu Verfügung stellen. Aber ich warte darauf, wie ein Ungläubiger auf Wunder.“ [Erich Kästner: Fabian – Die Geschichte eines Moralisten]

Auf einer Zeitskala, die lange genug ist, sinkt die Lebenserwartung von jedermann auf Null. [Chuck Palahniuk: Fight Club]

Wenn man nicht weiß, was man will, steht man am Ende mit vielem da, was man nicht will. [Chuck Palahniuk: Fight Club]

Wenn du entweder Gottes schlimmster Feind oder ein Nichts sein könntest, wofür würdest du dich entscheiden?[Chuck Palahniuk: Fight Club]

No Sympathy. No Being Sad. No Restlessness. No Hesitating About Anything. No Useless Daydreaming. No Feeling Guilty. No Thankfulness. [I’m a Cyborg, but that’s okay]

Es gibt zwei Leben: Eins mit offenen und eins mit geschlossenen Augen. [Federico Fellini]

Ich sage nur, dass die Gefahr des Verrücktwerdens in der Logik liegt und nicht in der Fantasie [G. K. Chesterton: Orthodoxy]

Ist nicht jeder Mord eine Wohltat? Er schafft Bewusstsein aus der Welt und somit Gelegenheit für Leiden [EGO]

Mein Gebet ist nicht Bettlergeheul und nicht Liebeserklärung. Auch nicht niedere Händlerabrechnung: Ich gab dir, gib du mir. Mein Gebet ist der Bericht des Soldaten an den Befehlsherrn. Die hab ich heu‘ vollbracht, dies ist der Beitrag aus meinem Feld, um die Schlacht zu gewinnen, auf diese Hindernisse bin ich gestoßen, dies ist mein Plan für den morgigen Tag. [Nikos Kazantzakis: Askese]

Wir bekämpfen nicht unsere dunklen Triebe mit einer blassen, kraftlosen, außerhalb der Triebe stehenden Tugend, sondern mit anderen, leidenschaftlicheren Trieben. [Nikos Kazantzakis: Askese]

 

„Mein Schätzelchen“, sagte meine Großmutter schließlich. „Bist du auch ganz bestimmt nicht traurig, dass du für den Rest deines Lebens eine Maus bleiben musst?“ „Das ist mir ganz egal“, antwortete ich. „Es spielt gar keine Rolle, wer man ist oder wie man aussieht, solange einen nur jemand liebt.“

[Roald Dahl: Hexen hexen]

 

 

Man muss kein Physiker sein, um von der Erkundung des Weltraums fasziniert zu sein oder sich zu fragen, ob es Leben auf dem Mars gibt und wie das Universum entstand. Man muss auch kein Biochemiker sein, um sich für die fundamentalen Lebensvorgänge zu interessieren. Es ist unmöglich, sich solchen Fragen zu entziehen. Wissenschaftliche Erkenntnisse und Entdeckungen sind viel zu interessant und wichtig, als dass man sie den Wissenschaftlern allein überlassen könnte.

[David E. & Arnold R. Brody: Die sieben größten Rätsel der Wissenschaft]

 

 

Es geht uns dabei nicht um die Frage, warum das Universum oder das Leben existiert. Wie der berühmte theoretische Physiker Stephen Hawking meinte, würde dies bedeuten, den „Geist Gottes“ zu suchen. Wir fragen ebenso wenig, was sein sollte, denn hiermit befassen sich nicht die Wissenschaftler, sondern die Philosophen.

[David E. & Arnold R. Brody: Die sieben größten Rätsel der Wissenschaft]

 

„Wissen sie, wir arbeiten jetzt schon so lange in dieser Angelegenheit zusammen – und ich will nicht mehr. Ich wünsche mir, dass das endlich aufhört. Manchmal, wenn ich nachts nicht schlafen kann, denke ich mir: Scheiße, wir sind kälter als sie. Als der Gegner.“

„Ich sehe nichts Kaltes, wenn ich Sie anschaue. Natürlich kenne ich Sie nicht sehr genau. Was ich aber sehe – und ich glaube nicht, dass ich mich täusche -, ist einer der warmherzigsten Menschen, die ich je kennen gelernt habe.“

„Ich bin nach außen hin warm – und die Leute können nur die Außenseite sehen. Warme Augen, ein warmes Gesicht, ein vorgetäuschtes, beschissenes Lächeln, aber innendrin bin ich die ganze Zeit über kalt und voller Lügen. Ich bin nicht das, was ich zu sein scheine, in Wahrheit bin ich schrecklich.“ Ihre Stimme blieb ruhig, und während sie sprach lächelte sie. Ihre Pupillen waren groß und sanft. „Doch dann sage ich mir, dass es nicht anders geht. Oder? Ich habe das vor langer Zeit begriffen und mich so gemacht, wie ich jetzt bin. Und eigentlich ist es gar nicht so schlecht. Auf diese Weise bekommt man alles, was man will. Ja, bis zu einem gewissen Grad ist jeder so. Nur eines an mir ist tatsächlich schlimm – ich bin ein Lügner. Ich habe meinen Freund angelogen. Ich habe Bob Arctor die ganze Zeit über belogen. Ich habe ihm sogar einmal gesagt, er soll bloß nichts von dem glauben, was ich erzähle, aber natürlich hat er gedacht ich würde scherzen, er hat nicht auf mich gehört. Aber nachdem ich es ihm gesagt hatte, lag es doch an ihm, ob er noch auf mich hören und mir glauben wollte oder nicht. Ich habe ihn gewarnt. Doch er hat das, was ich ihm gesagt habe, sofort wieder vergessen und einfach weitergemacht. Ist einfach auf seinem Weg weitergegangen, ohne nach links und rechts zu schauen.“

[Philip K. Dick: Der dunkle Schirm]

 

 

>>Soll ich dir eine gute Art von Selbstmord verraten? Alles, was du brauchst, ist Klebeband. Zuerst klebst du die Tür zu. Und dann verschließt du die Fenster ganz fest. Dann weinst du so sehr, wie du nur weinen kannst. Und wenn deine Tränen immer mehr werden steigt das Wasser und steigt, bis du irgendwann in diesem Meer von Tränen ertrinkst!<<

>>Auch wenn ich noch so traurig bin – so doll kann ich nicht weinen.<<

>>Das liegt daran, dass du nicht todtraurig bist.<<

[Kye Young Chon: DVD- depressiv – verliebt – durchgeknallt]

 

 

Bastian sah einen Jungen, der mit einem schweren Hammer Nägel in Strümpfe schlug, die vor ihm auf dem Boden lagen. Ein dicker Mann versuchte Briefmarken auf Seifenblasen zu kleben, die natürlich immer zerplatzten. Aber er ließ nicht ab, neue zu blasen.

„Schau!“ hörte Bastian die kichernde Stimme des Argax, und er fühlte, dass dieser ihm mit seinen Affenhändchen den Kopf in eine bestimmte Richtung drehte, „schau dorthin! Ist das nicht lustig?“

Da stand eine große Gruppe von Leuten, Männer und Frauen, Alte und Junge, alle in den verwunderlichsten Kleidungen, aber sie redeten nicht. Jedes war ganz für sich. Auf dem Boden lag eine Unmenge großer Würfel, und auf den sechs Seiten jedes Würfels standen Buchstaben. Immer wieder von neuem mischten die Leute die Würfel durcheinander und starrten dann lange darauf hin.

„Was tun sie da?“ flüsterte Bastian, „was ist das für ein Spiel? Wie heißt es?“

„Das Beliebigkeitsspiel“, antwortete Argax. Er winkte den Spielern zu und rief: „Brav, meine Kinder! Nur weiter so! Nur nicht aufgeben!“

Dann wandte er sich wieder Bastian zu und raunte ihm ins Ohr: „Sie können nichts mehr erzählen. Sie haben ihre Sprache verloren. Darum habe ich mir dieses Spiel für sie ausgedacht. Es beschäftigt sie, wie du siehst. Und es ist sehr einfach. Wenn du einmal nachdenkst, dann musst du zugeben, dass alle Geschichten der Welt im Grunde nur aus sechsundzwanzig Buchstaben bestehen. Die Buchstaben sind immer die gleichen, bloß ihre Zusammensetzung wechselt. Aus den Buchstaben werden Wörter gebildet, aus den Wörtern Sätze, aus den Sätzen Kapitel und aus den Kapiteln Geschichten. Da schau, was steht dort?“

Und Bastian las:

HGIKLOPFMWEYVXQ

YXCVBNMASDFGHJKLÖÄ

QWERTZUIOPÜ

ASDFGHJKLÖÄ

MNBVCXYLKJHGFDSA

ÜPOIUZTREWQAS

QWERTZUIOPÜASDF

YXCVBNMLKJ

QWERTZUIOPÜ

ASDFGHJKLÖÄYXC

ÜPOIUZTREWQ

ÄÖLKJHGFDSAMNBV

GKHDSRZIP

QETUOÜSFHKÖ

YCBMWRZIP

ARCGUNIKYÖ

QWERTZUIOPÜASD

MNBVCXYASD

MNBVCXYASD

LKJUONGREFGHL

„Ja“, kicherte Argax, „so ist es meisten. Aber wenn man es sehr lang spiel, jahrelang, dann ergeben sich manchmal durch Zufall Wörter. Keine besonders geistreichen Wörter, aber wenigstens Wörter. >Spinatkrampf< zum Beispiel, oder >Bürstenwürste< oder >Kragenlack<. Wenn man es aber hundert Jahre, tausend Jahre, hunderttausend Jahre immer weiterspielt, dann muss nach aller Wahrscheinlichkeit dabei durch Zufall auch einmal ein Gedicht herauskommen. Und wenn man es ewig spiel, dann müssen dabei alle Gedichte, alle Geschichten, die überhaupt möglich sind, entstehen, dazu auch alle Geschichten der Geschichten und sogar diese Geschichte, in der wir beide uns gerade unterhalten. Das ist logisch, nicht wahr?“

„Das ist entsetzlich“, sagte Bastian.

[Michael Ende: Die unendliche Geschichte]

 

 

Was ist mit mir? fragte sich Salustra erschauernd. Ach was, fügte sie in Gedanken hinzu. Was ich brauche, ist körperliche Anregung, also einen neuen Liebhaber. Aber wo soll ich ihn finden? Wie sind eine Nation von Affen. Wie schwätzen über die Dinge, wir geben ihnen einen Namen und glauben, damit auch bereits ihr Wesen erfasst zu haben. Wir nennen eine geheimnisvolle Kraft Elektrizität und begnügen uns damit. Wir haben ihr einen Namen gegeben! Was wollen wir mehr? Wir nennen unser Dasein Leben, und nachdem wir es so bezeichnet haben, fragen wir nicht mehr, was es eigentlich ist. Wir sind Affen, ohne deren fröhliche Einfalt zu haben. Wo ist der Mensch, der kein Narr ist? Ich selbst bin ja wohl auch eine Närrin.

„Hast du dieses seltsame Gefühl auch schon einmal gehabt, Mahius? Ich bin weder launisch noch verweichlicht, aber mir ist, als laste das Schicksal auf mir. Die Welt wird immer unwirklicher. Ich komme mir wie ein Schatten unter Schatten vor.“

Mahius schwieg einen Augenblick lang, dann antwortete er ruhig: „Dieses Gefühl hab ich schon oft gehabt. Das Leben strömt dahin wie Ebbe und Flut, es kommt aus dem Schattenreich und kehrt zu ihm zurück. Nur die Götter sind ewig und immerwährend.“

Salustra machte eine müde Bewegung mit der Hand. „Ach was, die Götter! Wer glaubt schon an sie! Wer glaubt schon daran, dass es in dieser grausamen Welt von heute die großen Unbekannten gibt, die von uns Kenntnis nehmen. Die Schwachen, Schwankenden und Feigen mögen solchen Vorstellungen nachhängen; Glaube ist das Kennzeichen des Kleinmütigen. Weil sie selbst nicht fähig sind, das Leben zu meistern, brauchen sie einen übernatürlichen Verbündeten und eine Panzer, mit dem sie sich umgeben, um in dieser bösen Welt bestehen zu können. Für die einen ist dieser Panzer der Glaube; sie verstecken sich hinter den Göttern. Für andere wieder ist der Panzer die Philosophie; gelassen betrachten sie die Kämpfe dieses Lebens, ohne an ihnen teilzunehmen. Dann gibt es Leute, die sich mit Zynismus wappnen; sie glauben an nichts, nicht einmal daran, dass sie an nichts glauben. Andere wiederum versinken in Sentimentalität und betrachten die Welt durch einen Schleier von Tränen. Und dann gibt es noch jene, die sich mit der Geißel selbstauferlegter Pflichten bestrafen; sie glauben, tapfer zu sein, und sind in Wirklichkeit nur unterwürfig. Fast alle aber glauben, ihr Leben durch irgendwelche Plattheiten rechtfertigen zu müssen. Wenn sich die Menschen nicht belügen würden, könnten sie nicht leben.“

Mahius betrachtete sie voll Güte: „Aus euch spricht die Jugend, Salustra. Wenn Ihr einmal älter seid, werdet Ihr nicht mehr so hart urteilen. Ihr werdet das Leben gelassen hinnehmen; ohne Hoffnung, aber auch ohne Furcht. Das kleine Kind und der alte Mensch sind die weisesten Philosophen.“

Salustra zuckte mit den Achseln. „Wir brauchen keinen Panzer und auch keine Philosophie“, sagte sie bestimmt und fügte lächelnd hinzu: „Wir brauchen die Wahrheit. Aber was ist wahr, und was ist falsch? Was ist tapfer und was ist feige? Was ist Laster und was Tugend? Wir wissen nur, dass wir heute leben und morgen tot sein werden. Aber woher wir kommen und wohin wir gehen, wissen wir nicht. Wir kommen wie Schatten, gehen wie sie, und dann sind wir vergessen. Ein Mensch, der von Gott spricht, ist nicht mehr als ein Affe, der den Mond anjault.“

[Taylor Caldwell: Die Atlantis-Saga]

 

 

„Du wirst neunzig Tage hierbleiben“, bemerkte Doug.

Irgendwann entdeckte Fat dann einen Anschlag, der ihn faszinierte. Die Mitteilung wies – in der Reihenfolge ihrer Wichtigkeit – auf verschiedene Verbote hin. Am Anfang der Liste stand: ES IST VERBOTEN, DIE ASCHENBECHER AUS DER ABTEILUNG MITZUNEHMEN.

Und weiter unten wurde erklärt: OHNE DAS SCHRIFTLICHE EINVERSTÄNDNIS DES PATIENTEN DÜRFEN KEINE HIRNOPERATIONEN DURCHGEFÜHRT WERDEN.

„Das müsste >Gehirnoperationen< heißen“, bemerkte Doug und fügte das GE hinzu.

„Woher weißt du das?“

„Es gibt zwei Wege zum Wissen“, erläuterte Doug.

„Entweder man erlangt die Erkenntnis durch die Sinnesorgane, was man als empirisches Wissen bezeichnet, oder die Erkenntnis entsteht direkt in deinem Kopf, also a priori.“

Doug schrieb auf die Bekanntmachung: KANN ICH MEIN GEHIRN WIEDERHABEN, WENN ICH DIE ASCHENBECHER ZURÜCKBRINGE?

„Du wirst neunzig Tage hierbleiben“, sagte Fat.

[Philip K. Dick: Die Valis-Trilogie]

 

 

In seiner Studie über die Form, die der Masochismus beim modernen Menschen annimmt, hat Theodor Reik einen interessanten Aspekt erwähnt. Masochismus ist weitaus verbreiteter, als man meint, da er in abgeschwächter Form auftritt. Der grundlegende Prozess verläuft folgendermaßen: Ein Mensch sieht etwas Negatives unaufhaltsam auf sich zukommen. Es gibt für ihn keine Möglichkeit, etwas dagegen zu unternehmen; er ist hilflos. Dieses Gefühl der Hilflosigkeit erzeugt das Bedürfnis, Kontrolle über den drohenden Schmerz zu gewinnen – jede Art Kontrolle ist ihm dabei recht. Das klingt vernünftig – das subjektive Gefühl der Hilflosigkeit ist schmerzhafter als das drohende Unglück. Also erlangt der Betroffene auf die einzige Möglichkeit, die ihm zur Verfügung steht, Kontrolle über die Situation. Er sehnt sich nach dem drohenden Unglück, er beschleunigt es noch. Diese Reaktion erzeugt den falschen Eindruck, dass er den Schmerz genießt. So ist es aber nicht. Er kann einfach nicht länger die Hilflosigkeit oder die angenommene Hilflosigkeit ertragen. Doch im Bestreben, Kontrolle über das unvermeidliche Unglück zu gewinnen, wird er automatisch anhedonistisch (das bedeutet, dass man unfähig oder nicht gewillt ist, Lust zu empfinden). Anhedonismus wächst unmerklich. Im Laufe der Jahre übernimmt er die Kontrolle über diesen Menschen. Zum Beispiel lernt er, Befriedigung zu vermeiden, die ist ein Schritt auf dem traurigen Weg, der zum Anhedonismus führt. Indem er Befriedigung unterdrückt, stellt sich in ihm ein Gefühl der Selbstbeherrschung ein – er ist stoisch, diszipliniert geworden, er folgt nicht mehr irgendwelchen Impulsen. Er besitzt Kontrolle. Kontrolle über sich im Sinne seiner inneren Impulse und Kontrolle über die äußere Situation. Er ist eine kontrollierte und kontrollierende Person. Recht bald streckt er seine Fühler aus und kontrolliert andere Menschen, die Teil seiner Situation sind. Er wird zu einem Manipulator. Natürlich ist er sich all dessen nicht bewusst – ihm geht es nur darum, sein Gefühl der Hilflosigkeit zu mildern. Doch während er sich darum bemüht, untergrübt er auf schleichende Weise die Freiheit der anderen. Dennoch gewinnt er keine Lust daraus, keine positive psychologische Befriedigung. Sein ganzer Gewinn ist grundlegend negativ.

[Philip K. Dick: Die Valis-Trilogie]

 

 

Wie viel Zeit würde ihm noch bleiben?

Plötzlich bemerkte er, dass sich eine unheimliche Kälte in ihm ausbreitete, eine Kälte, die ihn, wie er sich erinnerte, schon früher einmal befallen hatte – er musste an die letzten Minuten auf dem Mond denken. Es dauerte nicht lang, da griff die Kälte die Oberfläche sämtlicher Gegenstände um ihn herum an, breitete sich in Schwaden aus, bildete Blasen, die mit einem Seufzer zerplatzten. In die offenen Wunden wühlte sich die Kälte bis in das Herz aller Dinge. Vor seinen Augen wuchs eine Wüste aus Eis und ein Wind pfiff über die weite Ebene, in die die Realität sich verwandelt hatte; und Dunkelheit breitete sich aus, so weit seine Vision reichte; er wusste, dass er nur einen kleinen Ausschnitt davon erfasste.

Das bilde ich mit alles nur ein, dachte er. Die Welt wird nicht unter Eis und Dunkelheit begraben, das spielt sich nur in meinem Inneren ab – und doch nehme ich es als äußere Realität wahr. Wie seltsam. Habe ich etwa das Universum in mir? Hat mein Körper es verschlungen? Und wann ist das geschehen? So muss es sich anfühlen, wenn man stirbt? Dieses Gefühl von Vagheit, dieses Absinken in die Entropie – so also geht das vor sich und das Eis, das ich um mich herum sehe, ist das Resultat dieses Prozesses. Wenn ich abtrete, verschwindet das ganze Universum. Aber was ist mit dem Licht, das ich sehen müsste, den Eintritt in den neuen Mutterleib? Und wo ist der rauchige Schein kopulierender Paare, das dumpfe Glühen animalischer Gier? Alles, was ich erkennen kann, ist diese umfassende Dunkelheit und diese Abwesenheit von Wärme, diese erkaltete, von der Sonne im Stich gelassene endlose Fläche.

Das kann nicht der normale Tod sein, dachte er dann. Das ist unnatürlich – der Moment, an dem sonst die völlige Auflösung beginnt, wird von etwas anderem überlagert, von etwas Willkürlichem, Gewalttätigem.

[Philip K. Dick: Ubik]

 

 

Realität ist das, was nicht verschwindet, wenn man aufhört, daran zu glauben.

[Philip K. Dick: Die Valis-Trilogie]

 

 

„Ich würde am liebsten Ihren Kopf unter Wasser drücken, bis Sie um Ihr Leben kämpfen. Und wenn Sie nicht kämpfen sollten, dann zum Teufel mit Ihnen“

[Philip K. Dick: Die Valis-Trilogie]

 

 

Und sie ist es nicht wert, diese Arbeit. So viel Geld gibt es auf dem ganzen beschissenen Planteten nicht. Doch er tat sie ja sowieso nicht des Geldes wegen. Und warum tun Sie’s dann?, hatte Hank ihn gefragt. Aber was wusste man dann – gleich, welcher Art von Arbeit man nachging – schon über seine tatsächlichen Motive? Langeweile vielleicht, die Sehnsucht nach ein bisschen Action. Oder eine unterschwellige Feindseligkeit gegenüber den Menschen, die einen umgaben, gegenüber den Freunden, den Mädchen. Womöglich war es aber auch eine positive Motivation, das Ergebnis einer furchtbaren persönlichen Erfahrung: Vielleicht kannte man einen Menschen, den man aus ganzem Herzen liebte, dem man wirklich nahe gekommen war, den man im Arm gehalten, mit dem man geschlafen, den man als Freund betrachtet, den man vor allem bewundert hatte – und dann musste man mit ansehen, wie diese warme, lebendige Person innerlich ausbrennt, vom Herzen nach außen verbrennt. Bis sie klickt und klackt wie ein Insekt. Wieder und wieder den gleichen Satz wiederholt. Eine Bandaufnahme. Eine Endlosschleife.

„…wenn ich bloß noch einen einzigen Schuss haben könnte…“

Dann wäre ich okay. Drei Viertel des Gehirns Brei – und immer wieder dieser eine Satz. Wie bei Jerry Fabin. „…wenn ich bloß noch einen einzigen Schuss haben könnte, würde mein Gehirn ganz sicher von selbst wieder in Ordnung kommen.“ In diesem Moment hatte Arctor eine Vision – Jerry Fabins Gehirn als die ruinierte Verkabelung des Cephalochromoskops, zerschnittene Drähte, Kurzschlüsse, herausgerissene Leitungen, überladene und zu undefinierbaren Klumpen zusammengeschmolzene Kondensatoren, verschmorte Kontakte, beißender Qualm und ein widerwärtiger Geruch. Und da sitzt jemand mit einem Voltmeter, misst die Stromkreise und murmelt düster: „O Mann, eine Menge Widerstände und Transistoren müssen ersetzt werden…“ und so weiter. Doch von Jerry Fabin kommt nur ein mattes Summen – und sie geben auf. Und in Bob Arctors Wohnzimmer wirft ein Tausend-Dollar-Chephskop, eine Maßanfertigung der Firma Altec, das nun angeblich wieder repariert war, eine Schrift in fahlem Grau auf einen winzigen Fleck an der Wand:

WENN ICH BLOß NOCH EINEN EINZIGEN SCHUSS HABEN KÖNNTE…

Und dann schmeißen sie das Chephskop, das irreparabel beschädigt war, und Jerry Fabin, der irreparabel beschädigt war, in denselben Abfalleimer.

[Philip K. Dick: Der dunkle Schirm]

 

 

Dan Mancher wird sie aufschlitzen, genau wie die Reifen. Und wenn sie dann tot umfällt … Plötzlich erinnerte er sich an die Klagen der alten Leute, die unter Kimberly wohnten. Ja, wenn sie dann tot umfällt, wird sie bestimmt mitten in einem Haufen Hundescheiße landen. Er verspürte den Drang, hysterisch loszulachen, als er daran dachte, in welcher Rangordnung diese alten Knacker die Probleme in ihrer Umgebung sahen: Da verprügelt eine Etage über ihnen ein ausgeklinkter Freak Nacht für Nacht eine junge Rauschgiftsüchtige, die auf den Strich geht, eine schwere Kehlkopfentzündung hat und dazu vielleicht noch andere, viel schlimmere Krankheiten, da droht dieser Freak dem Mädchen pausenlos damit, dass er sie töten werde, eine Drohung, die er vielleicht schon bald wahrmachen würde – aber am schlimmsten ist …

Als er mit Luckman und Baris zurück Richtung Norden fuhr, kicherte er laut. „Hundescheiße“, sagte er immer wieder. „Hundescheiße.“ Wie viel Humor doch in so einem Haufen Hundescheiße steckt, dachte er. Oh, wie lustig ist doch Hundescheiße!

[Philip K. Dick: Der dunkle Schirm]

 

 

Als sie einander acht Jahre kannten

(und man darf sagen sie kannten sich gut),

kam ihre Liebe plötzlich abhanden.

Wie andern Leuten ein Stock oder Hut.

Sie waren traurig, betrugen sich heiter,

versuchten Küsse, als ob nichts sei,

und sahen sich an und wussten nicht weiter.

Da weinte sie schliesslich. Und er stand dabei.

Vom Fenster aus konnte man Schiffen winken.

Er sagt, es wäre schon Viertel nach vier

und Zeit, irgendwo Kaffee zu trinken.

Nebenan übte ein Mensch Klavier.

Sie gingen ins kleinste Café am Ort

und rührten in ihren Tassen.

Am Abend sassen sie immer noch dort.

Sie sassen allein, und sie sprachen kein Wort

und konnten es einfach nicht fassen.

[Erich Kästner: sachliche Romanze]

 

 

Geliebt habe ich nie

aber heiß geheuchelt

und mich verliebt

in meine Heuchelei

und war bereit

ihr jedes Opfer zu bringen

das vielleicht einer sonst

seiner Liebe bringt

Ich frage mich:

Wenn eine Frau mir wert war

so zu heucheln

war nicht auch das schon Liebe?

Aber ich sage mir:

Ich tat es um meinetwillen

um mich glauben zu machen

ich könne lieben

Das kann ein Heuchler

sich nie im Leben gestehen ?

Ich kann es jetzt

denn ich sterbe daran

[Erich Fried: Don Juan holt sich selbst]

 

 

 

Two roads diverged in a yellow wood,

And sorry I could not travel both

And be one traveler, long I stood

And looked down one as far as I could

To where it bent in the undergrowth;

 

Then took the other, as just as fair,

And having perhaps the better claim,

Because it was grassy and wanted wear;

Though as for that the passing there

Had worn them really about the same,

 

And both that morning equally lay

In leaves no step had trodden black.

Oh, I kept the first for another day!

Yet knowing how way leads on to way,

I doubted if I should ever come back.

 

I shall be telling this with a sigh

Somewhere ages and ages hence:

Two roads diverged in a wood, and I –

I took the one less traveled by,

And that has made all the difference.

[Robert Frost: The Road Not Taken]

 

 

 

 

 

Vielleicht ist das Bedürfnis, eine letztgültige Harmonie oder Ordnung zu finden oder zu erfühlen, ein universales Streben des Geistes, ganz gleich, welche Fähigkeiten er besitzt und welche Gestalt diese Harmonie dabei annimmt.

[Oliver Sacks]

 

 

 

 

„Das Ziel des Lebens ist es, sich selbst zu entwickeln. das eigene Wesen perfekt zu erfassen. Deshalb sind wir hier. Ein Mann sollte sein Leben vollständig ausleben, jedem Gefühl eine Form geben, jeden Gedanken ausdrücken, jeden Traum in die Tat umsetzen.

Jeder Impuls, den wir unterdrücken, brodelt im Kopf weiter und vergiftet uns. Es gibt nur einen Weg, die Versuchung loszuwerden – nämlich ihr nachzugeben. Widersteht man dem, wird die Seele krank vor Verlanden nach den Sehnsüchten, die man ihr verboten hat. Aber nichts kann die Seele heilen mit Ausnahme der Sinne, genauso, wie nichts die Sinne heilen kann mit Ausnahme der Seele.“

[The Picture Of Dorian Gray]

 

 

 

Wann war die Uraufführung des Stummfilms Nosferatu, eine Symphonie des Grauens? Am 5. März 1922. Was hat Thomas Alva Edison noch erfunden außer der Glühbirne und wann? Und wann hat Thomas Geburtstag und wann ist er verstorben? Also. Erstens mal hat er nicht die Glühbirne erfunden, sondern die Drehfassung aus Messing, dieses Schraubgewinde. Oder hat er doch die Glühbirne mit erfunden? Egal. Weiterhin hat er einen elektrischen Stimmenzähler für Versammlungen erfunden, und er hat über zweitausend Sachen überhaupt erfunden und sich knapp über tausend patentieren lassen. Er hat den Phonographen erfunden, und das erste Wort, das der Phonograph aufgenommen hat, war das von ihm gesprochene „Hello“. 1847 geboren. 1931 gestorben. Mir fallen jetzt die über zweitausend Sachen nicht alle ein, die er erfunden hat. Das macht mich wahnsinnig. Da fällt mir etwas anderes ein: Ich habe noch nie gewusst, welche zweitausend Sachen er erfunden hat. Das beruhigt mich wieder. Gut. Wie lange lebt ein Frettchen? Sechs bis zehn Jahre. Manchmal auch nur vier. Die Haupttodesursache sind Tumore in der Nebenniere. Wann wurde der erste Keuschheitsgürtel geschichtlich erwähnt? So um 1400 in Padua. Das ist eine Stadt in Italien.

Ich frage mich gerne ab. Weil ich schon immer gern im Lexikon gelesen habe. Was man da alles lernen kann! Und ich habe schon immer die Begabung gehabt, mir viele, viele Sachen merken zu können. Leider habe ich all die Jahre und Jahrzehnte nicht bemerkt, wie gemein mich mein eigener Mann behandelt. Dafür weiß ich aber, wie man Diethylenglykol schreibt und welche Funktion das Kleinhirn hat. Das ist nämlich unter anderem zuständig für die Motorik und die Feinabstimmung. So etwas weiß ich eben. Auch wenn es mir nie was genutzt hat. Würde ich wissen, was Feinabstimmung ist, wäre ich heute nicht mehr mit Heiner zusammen. Ich runzle dir Stirn. Möglicherweise habe ich ja kein Kleinhirn.

[ Steffi von Wolff: Rostfrei]

 

 

Einst haben die Kerls auf den Bäumen gehockt,

Behaart und mit böser Visage.

Dann hat man sie aus dem Urwald gelockt

Und die Welt asphaltiert und aufgestockt,

Bis zur dreißigsten Etage.

Da saßen sie nun, den Flöhen entflohn,

In zentralgeheizten Räumen.

Da sitzen sie nun am Telefon,

Und es herrscht noch genau derselbe Ton

Wie seinerzeit auf den Bäumen.

Sie hören weit. Sie sehen fern.

Sie sind mit dem Weltall in Fühlung.

Sie putzen die Zähne. Sie atmen modern.

Die Erde ist ein gebildeter Stern

Mit sehr viel Wasserspülung.

Sie schießen die Briefschaften durch ein Rohr.

Sie jagen und züchten Mikroben.

Sie versehn die Natur mit allem Komfort.

Sie fliegen steil in den Himmel empor

Und bleiben zwei Wochen oben.

Was ihre Verdauung übriglässt,

Das verarbeiten sie zu Watte.

Sie spalten Atome. Sie heilen Inzest.

Und sie stellen durch Stiluntersuchungen fest,

Dass Cäsar Plattfüße hatte.

So haben sie mit dem Kopf und dem Mund

Den Fortschritt der Menschheit geschaffen.

Doch davon mal abgesehen und

Bei Lichte betrachtet sind sie im Grund

Noch immer die alten Affen.

[ Erich Kästner – Die Entwicklung der Menschheit]

 

 

 

 

 

Menschen, die den Leidenschaften verfallen sind, sind wie der Fackelträger, der gegen den Wind läuft. Seine Hände werden ganz gewiss verbrannt.

[ Buddha]

„Ist sie tot?“

„Nein sie wartet darauf, dass du sie wach küsst…

natürlich ist sie tot, ihr Hals ist gebrochen.“

[ Kiss Kiss Bang Bang ]

 

 

 

 

„Eine ziemlich schreckliche Welt ist das, in die ich ihn bringe. Aber ich sag dir mal was, ich weiß da einen Weg, diese Wespen loszuwerden, die einen immer piesacken. Es ist ganz leicht, man braucht nur einen Eimer Sand.“

„Aha“

„Man warte, bis es dunkel ist, dann sind alle Wespen in ihrem Nest und schlafen. Man geht hin und gießt den Sand darüber aus. Und jetzt pass auf. Du denkst natürlich, dass der Sand sie erstickt. Aber so ist es nicht. Tatsächlich passiert Folgendes: Am nächsten Morgen wachen die Wespen auf und stellen fest, dass ihr Eingang versperrt ist, also beginnen sie, den Sand wegzuschaffen. Doch sie können ihn nirgendwo anders hintragen als in andere Teile des Baus. Und je mehr Sand sie vom Eingang wegschaffen, desto mehr fällt herunter.“

„Verstehe.“

„Ist das nicht furchtbar?“

„Ja.“

„Sie füllen ihr eigenes Nest langsam mit Sand. Und je härter sie arbeiten, um den Eingang freizulegen, desto schneller ist es vorbei – sie ersticken. Es ist wie eine orientalische Folter. Als ich das gehört habe, Louis, wäre ich am liebsten gestorben. Ich will nicht in einer Welt leben, in der so etwas möglich ist.“

„Wann hast du von dieser Methode erfahren?“

„Vor Jahren, ich glaube, ich war sieben. Ich habe mir immer vorgestellt, wie es in dem Nest wäre. Ich würde schlafen.“ Sie griff plötzlich nach meinem Arm und kniff die Augen zu. „In tiefster Dunkelheit. Überall um mich herum andere wie ich. Dann – wusch. Ein Geräusch, jemand kippt den Sand aus. Aber wir wissen nicht, was es bedeutet, wir schlafen weiter.“ Sie ließ sich jetzt von mir den Gehweg entlangführen. „Wir schlafen und schlafen, die ganze Nacht lang, weil es kalt ist. Dann kommt die Sonne, und der Boden wird warm, Aber immer noch ist es dunkel. Wir wachen auf. Warum gibt es kein Licht? Wir gehen zum Eingang. Er ist blockiert, von diesen seltsamen Körnern. Wir haben Angst. Was ist los? Wir packen alle mit an, versuchen, nicht in Panik zu geraten. Wir verbrauchen den Sauerstoff nur langsam, organisieren uns in Teams, arbeiten ruhig, effizient. Aber wir werden kein Tageslicht mehr sehen, egal, wie viele Sandkörner wir wegschaffen. Wir arbeiten und warten, doch es kommt nicht. Nie wieder.“ Sie öffnete die Augen wieder und sagte mit erstickter Stimme: „Wir sterben, Louis. Dort in unserem Nest.“

Ich nahm ihre Hand in meine. „Wie wäre es mit einem Kaffee?“

„Nein, ich möchte nur spazierengehen … Diese Insekten, Louis, Wespen und Ameisen – sie machen ganz viel da in ihren Nestern. Das ist äußerst komplex.“

„Ja, bei Spinnen auch.“

„Vor allem bei Spinnen. Ich habe mich gefragt, was eine Spinne empfindet, wenn ihr jemand das Netz zerreißt.“

„Sie sagt wahrscheinlich ‚Mist‘.“

„Nein. Zuerst ist sie sauer – doch dann kommt diese furchtbare Verzweiflung über sie. Sie begreift, dass ihr auch das nächste Netz wieder zerstört werden wird.“

„Und trotzdem bauen Spinnen immer wieder das Nächste.“

„Ja, sie können nicht anders, es liegt in ihren Genen. Darum sind sie schlechter dran als wir – sie können nicht einfach aufgeben und sterben, sie müssen immer weitermachen.“

„Weißt du, du solltest ab und zu mal auch an die schönen Seiten des Lebens denken. Du leistest erstklassige Arbeit – die Mosaiken, die Simulacra -, vergiss das nicht. Erfüllt es dich nicht mit Freude zu sehen, was deine Kreativität vermag?“

„Nein. Es spielt keine Rolle. Es reicht nicht.“

„Was würde denn reichen?“

Pris entzog ihre Finger den meinen. Es wirkte automatisch, sie schien es nicht mit Absicht zu machen. Ein Reflex, dachte ich. Wie bei Spinnen. „Ich weiß nicht. Aber eines weiß ich, egal wie hart ich arbeite oder wie lange oder was dabei herauskommt – es wird nie reichen.“

„Wer sagt das?“

„Ich sage das.“

„Du meinst, wenn du nachher zusiehst, wie die Lincoln zum Leben erwacht, wirst du keinen Stolz empfinden?“

„Ich weiß, was ich empfinden werde – noch größere Verzweiflung als vorher.“

Ich sah sie an. Warum das denn?, fragte ich mich. Verzweiflung angesichts eines Erfolges – das ist doch Unsinn. Was würdest du dann empfinden, wenn du versagst? Begeisterung? „Ich erzähl dir eine Geschichte, Pris. Hör gut zu.“

„Okay.“

„Eines Tages wollte ich in einer Stadt in Kalifornien ein Postamt betreten, in dessen Dachvorsprünge Vögel nisteten, da sah ich, dass ein kleiner Vogel aus seinem Nest gefallen oder geflogen war. Er saß auf dem Gehsteig, und seine Eltern flogen ängstlich umher. Ich ging zu ihm in der Vorstellung, ihn aufzuheben und zurück ins Nest zu setzen. Weißt du, was der Vogel gemacht hat?“

„Was denn?“

„Er hat seinen Schnabel aufgerissen – damit ich ihn füttere.“

Pris zog eine Augenbraue hoch.

„Verstehst du? Der Vogel kannte nur Lebensformen, die ihn fütterten und beschützten, und als er mich sah – eine völlig andere Lebensform, wie er nie eine gesehen hatte -, nahm er an, dass auch ich ihn füttern würde.“

„Und was heißt das?“

„Dass es in der Natur nicht nur Kälte und Schrecken gibt, sondern auch Wohlwollen und Freundlichkeit und gegenseitige Liebe und selbstlose Hilfe.“

„Nein, Louis, aufseiten des Vogels war es Unwissenheit. Du hast ihn ja nicht gefüttert.“

„Aber ich habe ihm geholfen. Er hatte recht darin, mir zu vertrauen.“

„Ich wünschte, ich könnte diese Seite des Lebens sehen. Aber für mich … ist es einfach nur Unwissenheit.“

„Unschuld.“

„Das ist das Gleiche. Aber es wäre toll, wenn du dir das bewahren könntest. Ich wünschte, ich hätte es mir bewahrt. Doch im Laufe des Lebens verliert man diesen Blick, denn Leben heißt Erfahrung sammeln, und Erfahrungen …“

„Jetzt wirst du aber zynisch.“

„Nein, ich bin bloß realistisch.“

„Okay, ich sehe es ja ein, es ist hoffnungslos. Zu dir kann niemand durchdringen. Und weißt du, warum? Weil du so sein willst, wie du bist. Du findest es gut so. Du bist faul, auf eine furchtbare Art und Weise faul, und du wirst so weitermachen, bis du zu einer Veränderung gezwungen bist. Von allein wirst du dich nie ändern. Im Gegenteil, es wird immer schlimmer werden mit dir.“

Pris lachte – ein scharfes, kaltes Lachen.

Schweigend gingen wir zurück.

[Philip K. Dick, Die Lincoln-Maschine/We Can Build You]

 

 

 

 

 

„Oft begegnet man dem Schicksal auf dem Weg, den man geht um es zu vermeiden.“

[Kung Fu Panda]

 

 

„Wir waschen uns nicht die Achselhaare im Teich der Heiligen Tränen.“

[Kung Fu Panda]

 

 

Also, nun kommt der Sinn des Lebens. Nun, es ist wirklich nichts Besonderes. Versuch einfach nett zu den Leuten zu sein, vermeide fettes Essen, lese ab und zu ein gutes Buch, lass dich mal besuchen, und versuch mit allen Rassen und Nationen in Frieden und Harmonie zu leben.

[ Monty Python,  Der Sinn des Lebens]

 

 

Alles ist gut. Alles. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist. Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich sein, sofort, im selben Augenblick.

[Fjodor Dostojewski]

 

 

 

 

Wir selbst müssen die Veränderung sein, die wir in der Welt sehen wollen.

[ Mahatma Gandhi ]

 

 

 

 

 

Vivere tota vita discendum est et, quod magis fortasse miraberis, tota vita disdendum est mori.

Zu leben aber muss man das ganze Leben lang lernen und, worüber du dich vielleicht noch mehr wunderst, man muss das ganze Leben lang lernen zu sterben.

[Seneca: De brevitate vitae, Von der Kürze des Lebens]

 

 

„Repete memoria tecum, quando certus consilii fueris, quotus quisque dies, ut destinaveras, recesserit, quando tibi usus tui fuerit, quando in statu suo voltus, quando animus intrepidus, quid tibi in tam longo aevo facti operis sit, quam multi vitam tuam diripuerit te non sentiente, quid perderes, quantum vanus dolor, stulta laetitia, avida cupiditas, blanda conversation abstulerit, quam exiguum tibi de tuo relictum sit: intelleges te inmaturum mori.”

„Ruf dir ins Gedächtnis zurück, wann du in deinem Entschluss sicher warst, wie wenige Tage, so wie du wolltest, vergangen sind, wann du Umgang mit dir selbst hattest, wann sich dein Gesicht in seinem eigenen Zustand befunden hat, wann dein Herz ohne Furcht war, was für ein Werk du in einem so langen Leben vollbracht hast, wie viele Menschen dir dein Leben entrissen haben, ohne dass du merktest, was du verlorst, wieviel unsinniger Schmerz, törichte Freude, gierige Leidenschaft, schmeichlerische Unterhaltung weggenommen haben, wie wenig dir von deiner Zeit verblieben ist: dann wirst du erkennen, dass du zu früh stirbst.“

[Seneca: De brevitate vitae, Von der Kürze des Lebens]

 

 

Wir werden nicht aufhören zu forschen,

und am Ende all unseres Forschens

werden wir dort ankommen, wo wir begonnen haben,

und diesen Ort zum ersten Mal erkennen.

Durch das unbekannte, erinnerte Tor,

wenn der letzte Fleck Erde, den es zu entdecken galt,

jenes ist, was schon zu Beginn war;

an der Quelle des länsten Flusses

die Stimme des verborgenen Wasserfalls,

und die Kinder im Apfelbaum

unbekannt, da nicht erwartet,

doch gehört, halb gehört in der Stille

zwischen zwei Wellen der See.

Rasch nun, hier, jetzt, immer –

ein Zustand vollkommener Schlichtheit,

der nicht weniger kostet als alles …

[ T. S. Elliot ]

 

 

 

 

 

Es ist manchmal schon schwierig, mein Freund, aber du solltest versuchen, immer negativ zu denken.

Konzentrier dich einfach darauf, jeder Situation etwas Schlechtes abzugewinnen! Sonst gerätst du in einen Teufelskreis aus Glück und guter Laune, aus dem du nur ganz schwer wieder raus kommst!

Auch wenn grade die Sonne scheint, besinne dich, dass es bald schon wieder regnen wird und stürmen und hageln und schneien und riesige Brocken Kotze werden vom Himmel fallen!

Auch wenn es grade gut läuft mit dir und deiner Freundin, konzentrier dich darauf, dass sie bald fremdgehen wird und schwanger werden wird vom Anderen, aber das sagt sie dir nicht sofort, sondern wartet bis nach der Geburt und verlässt dich dann und lässt dich Alimente zahlen. Und dann erzählt sie allen die Sache mit deinem Du-Weißt-Schon.

Auch wenn dein Job grade o.k. ist, glaube daran, dass du bald rausfliegst, weil nämlich dein Chef derjenige ist, der deine Freundin geschwängert hat und jetzt muss er immer, wenn er dich sieht, so lachen, dass er sich nicht mehr auf die Arbeit konzentrieren kann.

Auch wenn du grade eine schöne Wohnung hast, denke fest daran, dass du sie ohne Job nicht bezahlen kannst. Und dann musst du wieder zu deinen Eltern in den Keller ziehen und all die Popel die du früher dort in die Ritzen geschnippst hast, starren dich an und rufen: „Loser, Loser!“

Auch wenn du grade gesund bist, glaube an das Schlechte, bald schon wird dir eine Zyste am Auge wachsen und dann fault dir die ganze Rübe ab und dir bleibt nur der Hals mit einer kleinen Öffnung zur Ernährung, in die du dann immer Magermilchpulver kippst, weil du mittlerweile gegen alles andere allergisch geworden bist.

Auch wenn du grade schön bist und klug, das vergeht und zwar zackig. Bald schon bist du nur noch ein faltiger Haufen Haut, der sabbernd über die Pferde schimpft, weil die den Eseln alle Arbeitsplätze wegnehmen.

Lache nicht, mein Freund, senke deine Mundwinkel!

Die meiste Zeit seines Lebens verbringt der Mensch damit, sich Gedanken über Probleme zu machen, die er niemals haben wird.

Und warum macht der Mensch das? – Damit es ihm schlecht geht!

Und was für alle schlecht ist, kann für dich doch nicht gut sein. Also nimm dir ein Beispiel!

Sei nicht einfach immer grundlos glücklich!

Sag: „Chaka! Ich bin Scheiße!“

[ Sebastian 23]

 

 

„Auf zur Insel! Königreich der Ratten! Ich mache mich keineswegs über euren Traum lustig“, fügte er hastig hinzu. „Jeder braucht einen kleinen Traum.“ Und das glaubte Maurice tatsächlich. Wenn man wusste, was die Leute wollten, was sie wirklich wollten, so konnte man sie beeinflussen und fast kontrollieren.“

[Terry Pratchett: Maurice der Kater]

 

 

„Alle denken heutzutage. Ich denke, es wird einfach zu viel gedacht, ja, das denke ich. In meiner Jugend haben wir nie übers Denken nachgedacht. Wir hätten nie irgendetwas zustande gebracht, wenn wir immerzu gedacht hätten.“

[Terry Pratchett: Maurice der Kater]

 

 

 

 

 

Der Duft drang in ihn ein, süß und herb zugleich, und weckte in ihm eine unbändige Sehnsucht nach Leben, nach Mitteilen und Empfangen, und ihm war zumute, als müsse sein Leib bersten vor ungestillter Lust, dieses Leben, wie immer es sich auch darbieten mochte, zu empfinden und auszukosten. Er hätte alle Welt umarmen können in diesem Augenblick.

[ Hans Bemmann: Stein und Flöte]

 

 

Ich glaube, du kommst dir nur so vor, weil du deinen Blick zu sehr auf das Äußere der Dinge richtest. Du kannst über die Wirklichkeit nichts aussagen, wenn du nur die sichtbare Oberfläche der Dinge beschreibst, die jedermann vor Augen hat. Die Wirklichkeit steckt hinter den Dingen, und man kann nur in Bildern von ihr sprechen. Du kannst sie nicht packen, wie du eine Katze beim Schwanz packst. Wenn dir eine solche Rede geheimnisvoll vorkommt, hast du noch nicht viel von der Wirklichkeit begriffen.

[ Hans Bemmann: Stein und Flöte]

 

 

Das Leben ist verrückt! Und ich finde das wunderbar. Wer das nicht merkt, verschläft das Schönste.

[ Hans Bemmann: Stein und Flöte]

 

 

Du wirst heute Nacht nicht schlafen. Du greifst zur Flasche und schaltest den Fernseher an. Du siehst die Nachrichten und denkst, dass sie hinter dir her sind, aber es kommt keiner. Morgen früh wachst du auf und die Welt dreht sich immer noch, nichts hat sich verändert. Und diese Angst löst sich allmählich auf und nach ein paar Tagen wird dir klar, dass keiner etwas weiß. Diese ganze beschissene Angelegenheit, das Ereignis, das für dich so dramatisch war, ist unbemerkt an der Welt vorübergegangen. Und du fühlst dich wie neu geboren.

[ Pathology ]

 

 

Wenn Du vor mir stehst und mich ansiehst,

was weißt Du von den Schmerzen,

die in mir sind und was weiß ich von Deinen.

Und wenn ich mich vor Dir niederwerfen würde

und weinen und erzählen,

was wüßtest Du von mir mehr als von der Hölle,

wenn Dir jemand erzählt, sie ist heiß und fürchterlich.

Schon darum sollten wir Menschen voreinander

so ehrfürchtig,

so nachdenklich stehen,

wie vor dem Eingang zur Hölle.

[Franz Kafka]

 

 

„Tut mir Leid, aber den Fakt, dass das Lustzentrum Ihrer Großhirnrinde durch Spirochäten überstimuliert ist, halte ich, ehrlich gesagt, für zu wenig als Basis für eine Beziehung.“

[ Dr. House]

 

 

„Wenn ich es geniesse, das Leben zu hassen, dann hasse ich es nicht, sondern geniesse es.“

[ Dr. House]

 

 

 

 

 

Man fand Oleandra

Nackt auf dem Bett

Dieses Billighotels

Auf blutgetränktem Laken

Eine geleerte Flasche Whisky

Ca. 10 Schachteln Zigaretten

Halten einzig und allein

Die Totenwache

Und sind gleichzeitig

Zeugen eines Schrittes

Richtung Ausgang

Ihr Hirn klebt am Spiegel

Das waren ihre Gedanken

Die sie beizeiten um ein Projektil wickelte

Und außerhalb ihres schönes Kopfes verbreiten wollte

Jetzt sind ihre Gedanken

Ein undefinierbarer Haufen

Toter Zellen

Vermengt mit Blut

Für Sekunden

Zwischen ihrem Schädel

Und dem Spiegel

Durch luftleeren Raum

Freundlich tänzelnd

Universen, die außerhalb ihres Kopfes

Ihre verwundeten Runden zogen

Mit ihren Gedanken aufzuspalten

So ihr Wille

So diese Tat

Tatsächlich

Ihr Gesicht liegt neben ihrem Kopf

Und lacht über sie

Sie ist aber schon lange weg

Richtung Ausgang

Niemand konnte in ihren Kopf sehen

Jetzt schon

Aber verstehen

Kann man sie trotzdem nicht

Mehr …

[ Dirk Bernemann:  Ich hab die Unschuld kotzen sehen]

 

 

„Ihm wurde zum Verhängnis, was allen Männern zum Verhängnis wird.“ – „Die See?“ – „Das ein mal eins?“ – „Die Dialektik zwischen Gut und Böse?“ – „Eine Frau…“

 [ Fluch der Karibik]

 

 

„Wenn ich Popil oder sonsteinen Polizisten sehe, kriegst du ihr Herz per Paketdienst zugestellt. Vielleicht kannst du es ja für deine medizinischen Studien brauchen, kannst ein bisschen in den einzelnen Herzkammern herumstochern, schauen, ob du dein Gesicht darin findest.“

[Thomas Harris: Hannibal Rising]

 

 

 

 

 

„Es war einmal ein Vogel. Er besaß ein paar vollkommene Flügel und glänzende, bunte, wunderbare Federn und war dazu geschaffen, frei am Himmel zu fliegen, denen zur Freude, die ihn sahen.

Eines Tages sah eine Frau diesen Vogel und verliebte sich in ihn. Sie schaute mit vor Staunen offenen Mund seinem Flug zu, ihr Herz schlug schneller, ihre Augen leuchteten vor Aufregung. Er bat sie, ihn zu begleiten, und beide schwebten in vollkommener Harmonie am Himmel. Und sie bewunderte, verehrte, feierte den Vogel.

Aber dann dachte sie: Vielleicht möchte er ferne Gebirge kennen lernen! Und die Frau bekam Angst. Fürchtete, dass sie so etwas mit einem anderen Vogel nie wieder erleben könnte. Und sie wurde neidisch auf den Vogel, der aus eigener Kraft fliegen konnte.

Und sie fühlte sich allein.

Und dachte: Ich werde dem Vogel eine Falle stellen. Wenn er zurückkommt, wird er nie wieder aus eigener Kraft fliegen können.“

Der Vogel, der auch verliebt war, kam am nächsten Tag zurück, ging in die Falle und wurde in einen Käfig gesteckt.

Die Frau schaute täglich nach dem Vogel. Er war ihre ganze Leidenschaft, und sie zeigte ihn ihren Freundinnen, die meinten: „Du hast vielleicht ein Glück.“ Dennoch vollzog sich eine merkwürdige Veränderung: Seit sie den Vogel besaß und ihn nicht mehr zu erobern brauchte, begann sie das Interesse an ihm zu verlieren. Der Vogel, der nicht mehr fliegen konnte, was den Sinn seines Lebens ausmachte, wurde schwach, glanzlos, hässlich. Die Frau beachtete ihn nicht mehr, fütterte ihn nur noch und reinigte seinen Käfig.

Eines Tages starb der Vogel. Die Frau war tieftraurig und konnte ihn nicht vergessen. Aber sie erinnerte sich dabei nicht an den Käfig, nur an den Tag, an dem sie den Vogel zum ersten mal gesehen hatte, wie er fröhlich zwischen den Wolken dahinflog.

Hätte sie genauer in sich hineingeschaut, so hätte sie bemerkt, dass das, was sie am Vogel so sehr begeisterte, seine Freiheit war, sein kräftiger Flügelschlag, nicht sein Körper.

Ohne den Vogel verlor auch für die Frau das Leben seinen Sinn, und der Tod klopfte an ihre Tür. „Wozu bist du gekommen?“ „Damit du wieder mit dem Vogel zusammen am Himmel fliegen kannst“, gab der Tod zur Antwort. „Wenn du ihn hättest fliegen und immer wiederkommen lassen, hättest du ihn geliebt und noch mehr bewundert; aber nun brauchst du mich, um ihn wieder zu sehen.“

[Paulo Coelho: Elf Minuten]

 

 

 

 

 

Erst gestern sagte die Frau Mulla Nasruddins zu mir: „Osho, endlich ist es mir gelungen!“

Ich frage: „Was denn?“

Sie sagte „Ich habe Mulla das Nägelkauen abgewöhnt.“

Ich sagte: „Nägelkauen? Fünfzig Jahre seid ihr verheiratet. Mulla ist schon siebzig – jetzt nach fünfzig Jahren hast du das geschafft?“

Sie sagte: „Ja!“

Ich frage: „Aber wie ist es dir gelungen? Erkläre es mir!“

Sie sagte: „Jetzt verstecke ich einfach sein Gebiss. Dann kann er nicht kauen.“

[ Osho ]

 

 

„Die Glückslosen sind nichts weiter als ein Bezugspunkt für die Glücklichen, Mister Fisher. Durch ihr Unglück zeigen sie mir nur mein Glück. Es ist nur bedauerlich, dass die Glücklichen erst bemerken, welches Glück sie hatten, wenn es sie verlässt. Sie zum Beispiel: Gestern sind sie besser drangewesen als heute, aber erst durch den heutigen Tag merken Sie das. Aber: Gestern ist vorbei. Und: Es ist zu spät. Verstehen Sie? Die Leute sind nie glücklich, mit dem, was sie haben. Sie wollen das, was sie mal hatten, oder was jemand anders hat.“

[ Lucky Number Slevin ]

 

 

 

 

 

Bob, Zladko, Gero, Mausi und Little Joe kommen, und wir werfen den Videorecorder an. Bob ist besonders seriensüchtig. Mit seinem Serienwissen könnte er locker bei Thomas Gottschalt Wettkönig werden. Wenn Gottschalk fragen würde: „In einer Folge kommt Marion Drombusch in die Praxis ihres betrügerischen Lebensgefährten Peter Wolinski, um einen Schuldschein von ihm unterschreiben zu lassen. Welche Art Papier hat der Schuldschein, den sie ihm vor die Nase legt?“, würde Bob nicht einfach antworten: „Es war ein weißer DIN-A5-Block mit Karos ohne Rand“, nein, die Antwort sähe so aus: „Es war ein weißer DIN-A5-Block mit Karos ohne Rand, Papierstärke drei, und er hat mit einem schwarzen Eddingstift sein Schuldanerkenntnis draufgekritzelt, der Stift war oben schon von irgendeiner nervösen Natur angeknabbert. Hinter Peter Wolinski befand sich der Laborkühlschrank, daneben standen drei Urinproben, eine von Lore Schimmler, die eine Blasenentzündung hatte, eine von Urs Wiedemann, der starke Schmerzen im rechten Unterbauch hatte, und eine von Ali Stoppel, einem Türken, der den deutschen Namen seiner Frau nach der Hochzeit angenommen hat, weil niemand seinen richtigen Nachnamen aussprechen konnte. Im Hintergrund war eine Arzthelferin dabei, Spritzen für Blutabnahmen mit Namensschildchen zu versehen. Ihr Kittel hatte rechts unten einen kleinen Fleck, vermutlich Kaffe, es könnten aber auch Nutellabrotfinger gewesen sein, mit denen ein kleiner Junge sich an sie geklammert hat, der ganz fürchterlich mit seinem Fahrrad gestürzt war und Angst davor hatte, dass die Wunde genäht werden muss. Peter Wolinski trug eine randlose Brille und unter seinem Kittel ein blauweiß gestreiftes Hemd. Ich vermute, die Marke hießt Marc’O’Polo, könnte aber auch C&A gewesen sein. So genau schaut man ja nicht hin, nicht wahr?“ Gottschalk würde den Rekord im Überziehen seiner Sendung brechen, falls das Publikum nicht vorher schreiend den Saal verlässt. Was Bob allerdings egal wäre, er würde auch noch weitererzählen, wenn er letztendlich ganz allein im Studio sitzen würde.

[Steffi von Wolff: Glitzerbarbie]

 

 

Gut, dass ich über dich hinflog.

Gut, dass auch ich mir erklang, als der Himmel dir quoll aus den Augen.

Gut, dass ich sah, wessen Stern darin glomm –

Gut, dass ich dennoch nicht aufschrie.

Denn nun gellte dir die Stimme im Ohr,

die mich wild vor sich her stieß.

Und der mich peitschte, der Regen,

meißelt dir jetzt einen Mund,

der spricht, wenn die Sterne schrumpfen,

der schwillt, wenn die Himmel verebben.

[Paul Celan: Gut]

 

 

 

 

 

„Wieso tun sie das? Wieso? Warum aufstehen? Warum weiter kämpfen? Glauben sie wirklich sie kämpfen für etwas für mehr als ihr überleben? Können sie mir sagen, was es ist, wissen sie es überhaupt? Ist es Freiheit, vielleicht Wahrheit, vielleicht Frieden? Könnt es für die Liebe sein? Illusionen Mr. Anderson. Launende Wahrnehmungen. Vorübergehender Konstrukt eines schwächlichen menschlichen Intellekts, der verzweifelt versucht eine Existenz zu rechtfertigen, die ohne Richtung oder Bestimmung ist und sie alle sind genauso künstlich, wie die Matrix selbst, allerdings nur ein menschlicher Verstand kann so etwas geschmackloses erfinden, wie die Liebe. Es müsste ihnen möglich sein es zu sehen. Sie müssten es inzwischen wissen. Sie können nicht gewinnen. Es ist zwecklos weiter zu kämpfen… Wieso Mr. Anderson. Wieso? Wieso bestehen sie drauf?“

[Matrix]

 

 

„Es ist bemerkenswert wie ähnlich das Muster der Liebe, dem Muster des Wahnsinns ist.“

[Matrix ]

 

 

Unsere tiefste Angst

Ist nicht,

dass wir ungenügend sind,

unsere tiefste Angst

ist, dass wir kraftvoll sind

über alle Massen

Es ist unser Licht

nicht unsere Dunkelheit,

was uns am meisten erschreckt.

Wir fragen uns: wer bin ich,

um brillant, großartig, talentiert

und sagenhaft zu sein?

Aber wer bist du eigentlich,

um all das nicht zu sein?

Du bist ein Kind Gottes,

dein zögerliches Spiel

dient der Welt nicht,

Es wird nichts erhellt dadurch,

dass du dich kleiner machst,

so dass andere sich deinetwegen

nicht verunsichert fühlen.

Wir wurden geboren,

um den Glanz Gottes, der in uns ist,

offenkundig zu machen..

Er ist nicht nur in einzelnen,

sondern in jedem von uns.

Wenn wir unser Licht leuchten lassen,

geben wir damit anderen

die Erlaubnis, dasselbe zu tun.

Wenn wir von unserer eigenen Angst

befreit sein werden,

befreit unsere Gegenwart

auch andere

[ Nelson Mandela]

 

 

„Sie bemalt ihr Gesicht,

um ihr Gesicht zu verstecken.

Ihre Augen sind tiefes Wasser.

Einer Geisha steht es nicht an zu wünsche…

Einer Geisha steht es nicht an zu empfinden…

Eine Geisha ist eine Künstlerin der fließenden Welt.

Sie tanzt, sie singt…sie unterhält dich,

was auch immer du willst.

Der Rest liegt im Schatten,

Der Rest ist geheim!“

[Die Geisha]

 

 

Zwei Seelen wohnen, ach! in meine Brust

Die eine will sich von der andern trennen:

Die eine hält, in derber Liebeslust,

Sich an die Welt mit klammernden Organen

Die andere hebt gewaltsam sich vom Dust

Zu den Gefilden hoher Ahnen

[Goethe: Faust]

 

 

Als sie zur Cheshire-Katze zurück kam, war sie überraschte ein ziemlich große Volksmenge anzutreffen, die sich um sie scharte: es war ein Streit im Gange zwischen dem Scharfrichter, dem König und der Königin, die alle gleichzeitig redeten, während alle übrigen ganz still waren und betroffen dreinschauten.

Als Alice auftauchte, forderten sie sie alle drei augenblicklich auf, die Sache zu entscheiden, und sie setzten ihr diesmal ihre Argumente auseinander, obwohl Alice, da sie alle gleichzeitig sprachen, es sehr schwer fand heraus zu hören, was sie im einzelnen genau sagten.

Das Argument des Scharfrichters war, dass man keinen Kopf abschlagen könne, sofern nicht ein Körper da wäre, von dem er abzuschlagen sei: dass er nie zuvor so etwas auszuführen gehabt habe und er, solange er lebe, auch nicht damit anfangen werde.

Das Argument des Königs war, dass alles, was einen Kopf habe, auch geköpft werden könne, und dass man keinen Unsinn reden solle.

Das Argument der Königin war, dass, wenn nicht in Nullkommanichts etwas geschehen würde, sie jedermann hinrichten lassen werde, alle, wie sie da seien.

[ Lewis Carrol: Alice im Wunderland]

 

 

 

 

 

„Ich weigere mich, mich länger von der Realität einschüchtern zu lassen. Die Realität – was ist das? Ein kollektives Gefühl – weiter nichts.“

[ Lily Tomlin ]

 

 

 

 

 

 

 

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